Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Kammervertagung 1865 Ministerwechsel 
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diese Weissagung nicht in Erfüllung gegangen ist. Die Kammer verwarf 
wiederum die von der Regierung vorgeschlagene Revision des Wahlge 
setzes, genehmigte dagegen die Einführung des Allgem. Deutschen Handels 
gesetzbuchs und die oben schon erwähnten Handels- und Zollverträge, 
ebenso wie das Forstnutzungsgesetz vom 28. Juni, das die reichen Ein 
nahmequellen aus den Staatswaldungen (sie waren seit 1837 um fast 
das Doppelte gestiegen!) neu normierte, ohne die Bevölkerung zu belasten. 
Auch das viel umstrittene Jagdgesetz erhielt endlich die Bestätigung des 
Kurfürsten. War wiederum das legislatorische Ergebnis nach einer 
Tagung von neun Monaten im Hinblick auf die vielen unbefriedigten 
Gesetzeswünsche ziemlich bescheiden, so mußte bei der Vertagung der 
Ständeversammlung am 1. Juli 1865 der Präsident Rcbelthau doch 
anerkennen, daß besonders in der letzten Zeit seitens der Regierung 
manches für das materielle Wohl der Staatsangehörigen geschehen sei. 
Der Herbst des Jahres brachte eine neue Umbildung des Ministe 
riums, nachdem Rohde bereits kurz vor der Vertagung der Kammer 
entlasten war. Er stürzte hauptsächlich wegen seiner Nachgiebigkeit in 
der von den Großgrundbesitzern angeregten und von den Ständen dann 
mit großem Eifer verfochtenen Verkoppelungsfrage, auf deren Erledigung 
im Sinne der Majorität der Kurfürst im Interesse der kleinen Bauern 
nicht eingehen wollte. Nach einem Provisorium von mehreren Monaten 
übernahm der bisherige Regierungsdirektor in Hanau Harbordt das 
dornenvolle Ministerium des Innern, während sein Vorgänger Rohde 
an Stelle Dehns wieder die Finanzen übernahm, die er schon 
einmal 1859—62 verwaltet hatte. Auch Pfeiffer ging kurz nach Dehns 
Rücktritt, und Abee vereinigte als sein Nachfolger seit November 1865 
die beiden Ämter des Auswärtigen und der Justiz. Die Vervollständigung 
dieses letzten kurhessischen Ministeriums, das nur noch einmal im Mai 
1866 durch den Wechsel des Kriegsministers (Meyerfeld an Stelle 
Endes) eine kleine Veränderung erfuhr, halte längere Zeit beansprucht. 
Zum Teil war ein längeres Unwohlsein des Kurfürsten daran schuld, 
ein heftiger Podagraanfall kurz nach seinem Geburtstag, der ihm die 
lange nicht gehabte Freude eines Besuchs seiner Meininger Schwester 
in Cassel gebracht hatte. Nach seiner Wiederherstellung reiste Friedrich 
Wilhelm mehrmals nach der Stätte seiner Geburt und empfing am 
30. Oktober zu Philippsruhe den Besuch des Großherzogs Ludwigs III. 
und seines Bruders, des mit den Lorbeeren von 1859 gekrönten Prinzeu 
Alexander. Ein Gegenbesuch des Kurfürsten in Darmstadt befestigte die aufs 
neue geknüpften freundschaftlichen Bande zwischen den beiden Hessenfürsten.
	        

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