Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Durchmarsch Bernadoltes 1805. 
Gesandter behandelt werden sollte, und drohte im Falle der Weigerung, 
ihn mit Waffengewalt zu entfernen. Trotzdem der französische Gesandte 
Big non, der übrigens sogar behauptete, in der Wilhelmshöher Allee sei 
auf ihn geschossen worden, schon seinen Koffer packte, blieb der Kur 
fürst fest und weigerte sich entschieden, den nah verwandten englischen 
Hos in der Person seines Gesandten zu kränken. Der Konflikt spitzte 
sich immer mehr zu, von allen Seiten kamen alarmierende Nachrichten, 
und der preußische General v. Blücher meldete aus Westfalen, daß die 
Franzosen unter Bernadotte von Hannover heranrückten und einen 
Überfall auf Hessen planten. Aber der Kurfürst verlor nicht den Kopf, ob 
wohl er gerade in diesen Tagen durch die Krankheit und den Tod seines 
Lieblingssohnes, des kleinen Grafen Fritz Hessenstein, tief erschüttert 
wurde und an der Zaghaftigkeit seiner ministeriellen Ratgeber keinen 
rechten Beistand fand. „Gott wird sein geliebtes Hessen nicht vergessen 
und mir beistehen", schrieb er damals in sein Tagebuch. Er ließ den 
Kurprinzen aus Hanau kommen und sammelte in dreieinhalb Tagen alle 
seine Truppen außer den Besatzungen der in Belagerungszustand ver 
setzten Festungen um Cassel, insgesamt 29 Bataillone und 26 Schwa 
dronen, außer den Landregimentern, die bereit blieben, auf erste Order 
gleichfalls zu marschieren. Mit Freuden konnte er feststellen, daß in 
Cassel „der größte Gemeingeist" herrsche. „Alles will zu den Waffen 
greifen, wenn Bonaparte mich angreifen will." Alle Wertpapiere und 
Gelder, sowie die besten Stücke des Museums wurden für alle Fälle 
nach Schmalkalden in Sicherheit gebracht. Dann schrieb er in entschie 
denem Tone an Bernadotte und fragte nach seinen Absichten. Wider 
Erwarten antwortete der Franzose, daß er keine Feindseligkeiten gegen 
Hessen bezwecke, und bat nur um freien Durchmarsch. Diesen gänzlich 
zu verhindern, war der Kurfürst allein außerstande, aber er konnte doch 
wenigstens die Bedingungen vorschreiben, unter denen er geschah, und 
mit Hilfe seines stattlichen Truppenaufgebotes, das von der hannöver- 
schen Grenze bis durch ganz Cassel Spalier bildete, die Franzosen in 
Schach halten. Am 17. September 1805 hatten so die Casselaner das 
erste Mal Gelegenheit, die Soldaten der Revolution zu sehen. Die alten 
Hessen schüttelten die Köpfe, als sie die bunt zusammengewürfelten regel 
losen Scharen in reglementswidrigen Monturen mit den stolzen Söhnen 
der Heimat in ihren altgewohnten steifen und stattlichen Uniformen ver 
glichen. „Da trug der eine Beinkleider von gewürfelter Leinwand, als 
ob er die Bettbezüge geringer Leute sich angeeignet hätte. Nanking, 
Tuch und alle möglichen Stoffe schienen, wie es kam, bei ihrer Unter-
	        

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