Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Die Stände für Augustenburg Prinz Friedrich Wilhelm 
überstimmt. Nur Kurhessen, Mecklenburg und die 16. Kurie hatten sich 
den Großmächten angeschlossen. Diese Abstimmung veranlaßte den 
Casseler Ausschuß für Schleswig-Holstein am 17. Januar zu einer 
Protestadresse an Abee, die das schärfste Mißtrauen gegen die öster 
reichisch-preußische Politik atmete, und den Anschluß an die Mittel 
staaten verlangte: „Nur im mutigen Verein mit Bayern, Württemberg, 
Sachsen und den sonst entschlossenen Bundesstaaten wird Hessen — 
Hessen und unser allergnädigster Kurfürst unser souveräner Landesherr 
bleiben!" So erklärte Nebelthau als Führer der Schleswig-Holstein- 
Deputation und beschwor eindringlich das Ministerium, es solle einge 
denk seiner Verantwortung vor der Geschichte nicht zugeben, daß das 
Staatsschiff dem Untergang entgegengehe, und „bei unserm Kurfürsten 
unter der Beteuerung, daß sein treues Hessenvolk nicht preußisch wer 
den will, ein voll - und ganz beruhigendes Fürstenwort in aller Kürze 
erwirken". 
Die sonst oft so trügerische Volksstimme sollte mit ihrem Miß 
trauen und ihren bösen Ahnungen diesmal Recht behalten, wie der 
weitere Verlauf der schleswig-holsteinischen Angelegenheit zeigte. Am 
1. Februar überschritten die Österreicher und Preußen die schleswigsche 
Grenze. Das schwache kleine Dänemark wurde nach verzweifelter Gegen 
wehr über den Haufen geworfen und verlor nicht nur die deutschen 
Herzogtümer Holstein und Lauenburg, sondern mit Schleswig auch einen 
integrierenden Bestandteil seines Landes. Daß damit das alte Band 
zwischen der deutschen Nordmark und dem stammverwandten skandinavi 
schen Brudervolk einen unheilbaren Riß bekam, wurde von dem ein 
seitigen Nationalismus in seinem Jubel über die Niederlage der Dänen 
in heilloser Verblendung übersehen. 
Noch während des Krieges sah sich Prinz Friedrich Wilhelm, 
der hessische Thronfolger, der seinen bisherigen Wohnsitz in Dänemark 
inzwischen verlassen hatte, veranlaßt, seinen Verzicht teilweise wieder 
zurückzunehmen. Er hatte ihn 1851 ohne jede Gegenleistung — das 
Prädikat „Königliche Hoheit" (vgl. oben S. 322) konnte als solche nicht 
gelten — zur Verhütung eines Bruderkriegs unter der ausdrücklichen 
Voraussetzung ausgesprochen, daß die Integrität der dänischen Krön- 
länder bis zur Elbe aufrecht erhalten bleibe. Nach dem Wegfall dieser 
Voraussetzung infolge des Krieges und infolge des Bruches des Lon 
doner Traktats fühlte er sich an seinen Verzicht nicht mehr gebunden 
und schrieb am 18. Juni 1864 von Baden-Baden aus an Lord Rüssel, 
den Vorsitzenden der damals in London tagenden Konferenz, daß seine
	        

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