Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Echleswig-Holsteinsche Frag« 
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Vorliebe für alles Deutsche hinweg. Mit Berufung auf die Zugehörig 
keit Schleswigs zu Dänemark sprang die von den sog. Eiderdänen ge 
leitete Regierung willkiirlich mit den Rechten der Detltschen um und 
entfesselte einen Sturm der Entrüstung und Auflehnung in den „op 
ewig ungedeelten" Herzogtümern, die ihre Selbständigkeit und alte ge 
meinsame Verfassung bedroht und eingeschränkt sahen. Unter dem Drucke 
der dänischen Verwaltung und durch den nationalen Gegensatz gewann 
der Gedanke der Losreißung Schleswig-Holsteins von Dänemark immer 
mehr Anhänger, und als sich Prinz Friedrich, der Sohn des Her 
zogs von Augustenburg zum Bannerträger dieser Bestrebungen 
auswarf, da hatte er nicht nur die Mehrzahl der Schleswig-Holsteiner, 
sondern auch die Sympathie von fast ganz Deutschland für sich. Sein 
Erbrecht galt allgemein als ein unbestreitbares Dogma, das namentlich 
von den Liberaleil leidenschaftlich verfochten wurde. Die Dänen taten 
alles mögliche, um durch politische Unklugheiten die Lage zu verschärfen. 
Anr 15. November 1863 starb nun unerwartet König Friedrich VH., 
und sein auf Grund. des Londoner Traktates berufener Nachfolger 
Christian IX. wurde von der eiderdänischen Partei gezwungen, wenige 
Tage darauf die neue dänische Verfassung zu sanktionieren, die die 
Einverleibung Schleswigs aussprach. Von Gotha aus erklärte darauf 
der Erbprinz von Augustenburg als Herzog Friedrich VIII. seinen 
Regierungsantritt in den Herzogtümern, und aus allen Teilen Deutsch- 
lands wurde dieser Schritt mit Beifallskundgebungen begrüßt, die selbst 
in den einzelnen Kammern ein lautes Echo fanden. Auch die seit Mitte 
Dezember wieder versammelten kurhessischen Stände fühlten sich 
veranlaßt, in einer Adresse „Zeugnis abzulegen von der einmütigen 
Begeisterung des Landes, mit der es einstehen ivill für das Recht 
Deutschlands, für das Recht Schleswig-Holsteins und seines legitimen 
Fürstenhauses", während die kurfürstliche Regierung auf Grund der durch 
den Verzicht des Thronfolgers geschaffenen Rechtslage den Augusten- 
burger nicht anerkannte und, abweichend von der Mehrzahl der übrigen 
Bundesstaaten, sich der Politik der deutschen Großmächte zunächst an 
schloß. Für den Deutschen Bund, der sich an dem Londoner Traktat 
nicht beteiligt hatte, bestand der Erbfolgestreit durch das Auftreten mehrerer 
Prätendenten — auch Oldenburg hatte seine Ansprüche angemeldet — 
fort; die Stimme Holsteins wurde suspendiert, und Bundesexekution 
gegen Dänemark beschlossen. Ein Vorgehen gegen den Augustenburger 
lehnte der Bund ab, und ebenso wurden Österreich und Preußen mit 
ihrem Antrag, Schleswig in Pfand zu nehmen, am 14. Januar 1864
	        

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