Volltext: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Frankfurter Fürstentag 1863 
Die dort versammelten Fürsten machten noch einmal den Versuch, den 
jetzt in der Nähe, in Baden-Baden, weilenden König von Preußen zur 
Teilnahme an ihren Beratungen zu veranlassen, und ihrem Abgesandten 
Johann von Sachsen gelang es auch, das Herz des Königs zu Tränen 
zu rühren, aber Bismarck hielt ihn fest und zerschlug im Triumph 
über seinen endgültigen Sieg einen Teller mit Gläsern, als der Sachse 
unverrichteter Sache gegangen mar. Bis zum 1. September berieten 
die deutschen Fürsten (außer Preußen fehlte nur Holstein und Lippe) 
und freien Städte die vorgelegte Reformakte, die zur Schonung Preußens 
auf das österreichische Kaisertum verzichtet hatte und statt dessen in 
wenig glücklicher Weise ein mehrgliederiges Bundespräsidium vorsah. 
Der hessische Kurfürst, dessen berühmtes Zsabellengespann damals die 
Bewunderung der Frankfurter erregte, gehörte mit dem König von 
Sachsen, den Großherzögen von Baden und Schwerin und dem Bürger 
meister von Hamburg zu dem Komitee, das die Erklärung über die 
Ausführung der gefaßten Beschlüsse formulierte, wobei Abees Vorschlag 
angenommen wurde, die Ausführung sollte „auf bundesgrundgesetzlichem 
Wege" geschehen. Es war aber klar, daß das ganze Reformprojekt durch 
Preußens Haltung von vornherein zum Tode verurteilt war, zumal die 
Versammelten sich nicht entschließen konnten, durch Annahme eines aus 
allgemeinen Wahlen hervorgehenden Bolkshauses die öffentliche Meinung 
zu gewinnen, wie das Preußen in geschickter Weise verstand und auch 
von den gleichzeitig in Frankfurt tagenden Abgeordneten der deutschen 
Parlamente gefordert wurde. Den einzigen Weg, der noch übrig 
blieb, nämlich Preußen mit Gewalt zur Annahme der Bundes 
reform und zum Eintritt in das große deutsche Reich der Zukunft zu 
zwingen, konnte und mochte der Kaiser nicht gehen. Es war auch sehr 
fraglich, ob er zum Ziele geführt hätte, da einmal seine Verbündeten 
zum größten Teile nicht zum Bruderkriege geneigt gewesen wären, anderer 
seits Preußen in Rußland unb Frankreich, den natürlichen Gegnern 
des großen starken deutschen Einigungswerkes, seine Stützen hatte. So 
konnte Bismarck den Fürstentag als eine österreichische „Schaumwelle" 
bespötteln. Das konservative preußische „Volksblatt für Stadt und Land" 
drohte einfach mit Annektierung der zwischen Preußens Hälften liegenden 
Staaten, falls sie es wagen sollten, sich einem auf Grund des Fürsten 
tags reformierten Bunde anzuschließen. Unter diesen Umständen mußte 
der letzte Versuch, Gesamtdeutschland durch ein festeres Band zu einigen, 
mißlingen, und der mit so großen Hoffnungen begonnene Fürstentag 
schloß mit einer allgemeinen Enttäuschung. Am 2. September kehrte
	        

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