Volltext: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Frankfurter Fürstentag 1863 
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zu dem Frankfurter Fürstentag des Jahres 1863. Nach Fröbels Plan 
sollte das Deutsche Reich aus sämtlichen bisherigen Bundesstaaten ge 
bildet werden, aber auch die österreichischen und preußischen Nebenländer 
sollten unter dem Schutze des Reiches stehen. Österreich sollte die erb 
kaiserliche Würde, der König von Preußen aber das Präsidium des 
Fürstenhauses erhalten, das mit einem aus Delegierten der einzelnen 
Landesvertretungen zusammengesetzten Volkshaus das Reichsparlament 
bildete. Auch der Zutritt der Schweiz und Hollands zu diesem mittel 
europäischen Reiche der Zukunft war in dem weitvorausschauenden Plane 
vorgesehen. Fröbels Denkschrift fand den Beifall des österreichischen Mi 
nisters Schmerling und des Kaisers, trotzdem sie eine Mediatisierung der 
beiden Großmächte, die auf ihre europäische Einzelstellung und Sonder 
politik verzichten sollten, in sich schloß. Mit verschiedenen Modifikationen 
bildete sie die Grundlage für die Beratungen des Fürstentags, zu 
dem Kaiser Franz Joseph mit Feuereifer für die Idee der Bundes 
reform seine Bundesgenossen im August 1863 nach Frankfurt einlud. 
Der Kaiser verhehlte sich nicht die Schwierigkeiten, die von Preußen 
kommen würden, und fuhr deshalb selbst nach Gastein, um den dort 
weilenden König Wilhelm zur Teilnahme zu bewegen. Aber er hatte 
nicht mit Herrn v. Bismarck gerechnet. Der wollte keine Bundesreform, 
die seine Pläne durchkreuzt hätte, sondern die Zerstörung des Bundes, 
und seiner Überredungskunst *) gelang es, den schon schwankenden König 
zur Ablehnung der Einladung zu bestimmen. 
Zn Kurhessen war der Kurfürst von dem besten Wunsche beseelt, 
an dem in Aussicht gestellten Reformwerk mitzuarbeiten, aber es war 
ihm wie seinen Beratern auch von vornherein klar, daß „ohne Preußen 
die Sache nicht gehe". Am 16. August fuhr er in Begleitung Abees 
nach Frankfurt, wo eben Kaiser Franz Joseph unter dem unbeschreiblichen 
Jubel der Bevölkerung der alten Kaiserstadt seinen Einzug gehalten hatte. 
*) Es sind zwar nicht gerade authentische Worte, die der neueste begeisterte 
Rhapsode Bismarcks Frenssen seinen Helden bei dieser Gelegenheit reden läßt, 
aber sie geben die Quintessenz seiner Argumente gewiß ungefähr richtig wieder: 
Will der König vielleicht die Geschichte Preußens bedenken? 
Will er nur künden und sagen, wie Preußen groß ward und mächtig? 
Fuhren seine großen Ahnen im Schleppzug von Deutschland? 
Warteten seine großen Ahnen auf Angriff und Tücke? — 
Ja sie warteten wohll Als kluge und sorgliche Männer 
Paßten sie auf die Zeit, ob das Wetter gut wär für Preußen. 
Schien es ihnen dann gut, für Preußens Gedeihen und Wachstum 
Zogen sie aus und säten... allein I — Was quälte sie Deutschland?
	        

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