Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Kirche Vilmar Katholiken 
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treten entstanden waren. Sein abtrünniger ehemaliger Schüler Heppe, 
der Geschichtsschreiber der alten hessischen Generalspnoden, verfocht mit 
Leidenschaft die Idee einer melanchthonischen Fraktion der deutsch 
reformierten Kirche, der er die hessische Kirche zuwies. Gegen Heppes 
Schrift über die Verbesserungspunkte des Landgrafen Moritz und gegen 
das von Gildemeister verfaßte Gutachten der Marburger theologischen 
Fakultät richtete Vilmar 1860 seine „Geschichte des Konfessionsstandes 
der evangelischen Kirche in Hessen", um mit nicht minderer Entschieden 
heit den Nachweis zu führen, daß Hessen in kirchenrechtlicher Hinsicht 
niemals von dem Bekenntnis der Ungehinderten Augsburgischen Kon 
fession abgefallen sei. Wenn auch seine scharfe Betonung des Luthertums 
keineswegs allgemeinen Beifall fand, wenigstens nicht in Niederhessen, 
wo statt seiner Martin, ein Sohn des Insurgenten von 1809, die Be 
stätigung als Generalsuperintendent erhalten hatte, so konnte sich doch 
die Mehrzahl der hessischen Geistlichen dem bezwingenden Einfluß des 
geistesgewaltigen Mannes nicht entziehen. Die mit seiner Berufung nach 
Marburg verbundene Absicht der Kaltstellung war mißlungen, und alle 
Angriffe seiner vielen politischen und kirchlichen Gegner vermochten 
seine führende Stellung nicht zu erschüttern. Vilmar war der belieb 
teste Redner auf den damaligen Missionsfesten, und auf den von ihm 
angeregten Konferenzen der kurhessischen und darmstädtischen Geistlich 
keit suchte er nicht ohne Erfolg das seit Fahrhunderten zerrissene Band 
zwischen den hessischen Bruderstämmen wenigstens auf kirchlichem Ge 
biet wieder zu knüpfen. Sein Einfluß erstreckte sich weit über das 
theologisch-kirchliche Gebiet hinaus, und seine Aussätze aus dem „Hessi 
schen Volksfreund", die er unter dem Titel „Zur neuesten Kultur 
geschichte Deutschlands" 1858 neu herausgab, sowie seine Beitrüge in 
der „Hessenzeitung" dienten seinen Freunden und Anhängern als Richt 
schnur zur Stärkung und Verbreitung seiner Weltanschauung, die frei 
lich im stärksten Kontrast zur herrschenden Zeitrichtung stand und wegen 
ihres hierarchischen Einschlags auch von dem Kurfürsten abgelehnt wurde, 
so sehr dieser die treue Gefolgschaft gerade der sog. Vilmarianer in den 
Stürmen dieser Zeit anerkennen inußte. 
Seit dem Abflauen der deutsch-katholischen Bewegung, die übrigens 
den Frieden gerade der rein katholischen Gegenden nicht allzusehr ge 
trübt hatte, blieb die katholische Kirche Kurhessens von heftigen 
Stürmen verschont. Nach dem Tode des Bischoffs Pfaff (1848) saß 
der Elsässer Florentius Kött, ehemals Dechant zu Amöneburg 
und Cassel, auf dem Stuhle Sturms. Er ivar ein milder friedliebender
	        

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