Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Geschichte und Landeskunde 
343 
Hörerkreis umlaufenden Witzwort: „Äve Caesar dormituri te salu- 
tant“ kein fesselnder Dozent, machte sich um die Universitätsgeschichte 
verdient, wie sein Vorgänger Weber um die Casseler Schulgeschichte. 
Das auf den meisten Universitäten noch stark vernadilässigte Fach der 
deutschen Philologie wurde von den Theologen Dilmar und Dietrid) 
und von dem ebenfalls von der Theologie ausgehenden Anglisten 
Grein gepflegt. 
So war die Universität trotz ihrer bescheidenen Mittel mit guten, 
teilweise hervorragenden Lehrkräfteit ausgestattet, und in der stlma 
mater Philippina, in der das unvergängliche Lied von der alten 
Burschenherrlichkeit entstand, herrschte neben der herkömmlichen akademi- 
schen Fröhlichkeit ein reges geistiges Leben und Streben. 
Aber and) abseits von diesem natürlichen Zentrum hessischen Geistes 
lebens zeigte sich im Lande eine frische Regsamkeit nach den verschieden 
sten Richtungen. Namentlich auf dem Gebiete der hessischen Geschichte 
und Landeskunde wurde unter Führung des Casseler Geschichts 
vereins fleißig gearbeitet. Christoph v. Rommel, einer der Begründer 
des Vereins, brachte seine große Materialiensammlung der „Geschichte 
von Hessen" nid)t zum Abschluß. Als er bis zur Regierung des Land 
grafen Carl gekommen war, nahm ihm der Tod 1859 die Feder aus 
der Hand. Das kürzere Handbuch Reh ms (1842—46) hatte schon 
beim Westfälischen Frieden abgebrochen. Für einen großem Leserkreis 
schrieb der Casseler Schulinspektor Roth eine brauchbare populäre 
Darstellung der hessen-casselschen Geschichte, die bis zu dem Zeitpunkt 
reichte, wo Wippermanns Bud) „Kurhessen seit dem Freiheitskriege" 
einsetzte. Der ehemalige Märzminister benutzte nebenher seine Muße 
stunden zur Sammlung der Urkunden seiner Schaumburger Heimat. 
Von den übrigen Landesteilen erhielt die Herrschaft Schmalkalden in 
dem Landrid)ter Wagner (1849) ihren Historiographen. Der Land 
baumeister Arnd schrieb 1858 die Geschichte der Provinz Hanau und 
1862 des Hochstifts Fulda, die schon 1849 der Landgerichtsrat Göß- 
mann vor ihm behandelt hatte. Eine große Anzahl rein lokalgeschicht- 
licher Arbeiten bewies das in weilen Kreisen erwachte Interesse für die 
Kunde der Vorzeit. So entstanden P i d e r i t s Ortsgeschichten von Hers- 
feld, Cassel und Rinteln, die von FalckenHeiner über Fritzlar und 
Hofgeismar, von Landau über Waldkappel, von Lynker über Wolf 
hagen, von Schminke über Eschwege, von Collmann über Sontra, 
von Wagner über Allendorf u. a. m. Der unermüdliche Landau gab 
historische Beschreibung«! des Hessengaues und der Wetterau heraus
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.