Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Dichtung Schulwesen 
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„Alte Burschenherrlichkeit" schon längst geworden war. Hornfecks Freund 
und Leidensgefährte Trabert kam erst Jahrzehnte später dazu, seine 
Gedichte zu sammeln. Ein anderer junger Fulder, Emil v. Boxberger, 
erntete mit seinen Romanzen und Balladen über den Prinzen Eugen 
eine Ehrengabe des Kaisers von Österreich. Vaterländische Stoffe in 
ihren Dichtungen bevorzugten Carl Preser, der spätere Gefolgsmann 
und literarische Trabant des Kurfürsten im böhmischen Exil, und der 
etwas spätere Ludwig Mohr. Bonder großen Schar der eigentlichen 
Lokalpoeten, deren Reime kaum über das heimische Weichbild hinaus 
bekannt wurden, verdient wenigstens Hessens Hans Sachs, der Mar- 
burger Lohgerber Dietrich Wein traut, erwähnt zu werden, der den 
Humor hatte, in lustiger Selbstverspottung sich selber zuzurufen: 
O du Weidenhäuser Dichter, stör' nicht andrer Menschen Freude, 
Schabe lieber deine Felle, falze lieber deine Häute. 
Führ' den Schlichtmond und die Zange statt der spitzen Gänsefeder, 
Und statt deiner schlechten Verse mache gutes Oberleder. 
Weintraut schrieb teilweise ebenso wie Herzog in Cassel, Schwarz 
in Fulda und andere in heimischer Mundart, wie denn das Interesse 
für die Volkssprache und Volkssitte in dieser Zeit im Wachsen war, 
während schulmeisterlicher Unverstand ihre Reste zu vernichten drohte. 
Zm hessischen Schulwesen herrschte seit den glücklichen Anläufen 
der 30 er Jahre ein bedauerlicher Stillstand. Der heftige Kampf, 
den in der Volksschule die von Gräfe und Liebermann geführte 
fortschrittliche Richtung namentlich für die materiellen Interessen des 
Lehrerstandes führte, mußte unter der Reaktion mit dem Siege der 
kirchlichen Partei enden, die sich um die von Bang und Schilde 
herausgegebenen „Lehrerstimmen" gruppierte. Zu der lange geplanten 
und auch notwendigen Reform des Volksschulwesens kam es aber nicht. 
Für die niederhessischen Schulen wurde 1853 eine Ordnung mit 
Regelung der Lehrpläne erlassen, die dann auch für die übrigen Landes 
teile vorbildlich wurde und das kirchliche Gepräge der Schule in recht 
einseitiger Weise betonte. Schon vorher war den Schullehrern die wider 
wärtige Last der Schulgelderhebung abgenommen und den Gemeinde 
verwaltungen überwiesen, aber ihre Besoldungen blieben ungemein be 
scheiden, da die Gemeinden zu ihrer Erhöhung nicht verpflichtet waren, 
und erfuhren erst allmählich eine Verbesserung. Die revidierte Schul 
ordnung von 1864 erweiterte den Lehrplan und ließ die weltlichen Auf 
gaben des Unterrichts mehr zu ihrem Rechte kommen. Der zur selben 
Zeit vorbereitete Volksschulgesetzentwurf kam erst 1866 zur Vorlage,
	        

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