Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Schöne Literatur 
und sorgte später durch Neuausgabe des „Prinz Rosa Stramin" da 
für, daß das Andenken an ihn nicht erlosch. Altinüller, der spätere 
Herausgeber des Casseler „Telegraphen", war selber ein feinsinniger 
Lyriker, dem „das liebe Land der blinden Hessen" sein schönstes Hei 
matslied und die beste Marburger Studentennovelle verdankt. Ein Kreis 
itamentlich jüngerer Dichter und Schriftsteller vereinigte sich 1854 und 
1855 zur Herausgabe des „Hessischen Jahrbuchs". Sein Begründer 
war ein junger Schaumburger, der seinen alttestamentlichen Namen 
nach seinem Geburtsort Rodenberg nobiliüerte, dann aber auf Ver 
anlassung des in diesem Punkte empfindlichen Kurfürsten das „von" 
fallen lassen mußte. Es war der Beginn einer langen erfolgreicheit 
publizistischen Laufbahn, die einst in Berlin enden sollte, ebenso wie 
die Hermann Grimms (Wilhelms Sohn), dessen erste dichterische 
Versuche den spätern Meister des kunstgeschichtlichen und literarischen 
Essays noch nicht ahnen ließen. Karl Schmitt aus Marburg besang 
im „Hessischen Jahrbuch" von 1855 das Schwälmcr Idyll vom Hans 
Hoose und dem Landgrafen Carl, starb aber noch im selben Jahre, 
ohne die auf ihn gesetzten reichen Hoffnungen erfüllt zu haben. Otto 
Braun, der spätere Redakteur des „Casseler Sonntagsblattes", der 
„Münchener Allgemeinen Zeitung" und des Cottaischen „Musenalma 
nachs", gab Proben trefflicher Übersetzungen spanischer Poesie, in die 
er durch seinen Onkel, den bolivianischen Generalissimus Braun von 
Montenegro eingeführt war. Von der ältern Generation beteiligten sich 
Elise v. Hohenhausen, Louise v.Ploennies und Heinrich 
König an dem „Hessischen Jahrbuch". König stand damals auf dem 
Höhepunkt seiner dichterischen Produktion. Bon seinen vielen Werken 
fanden die auf hessischem Boden spielenden historischen Romane, die 
„Klubbisten von Mainz" und „König Jeronies Karneval" besondern 
Beifall und ein zahlreiches Publilnun. Literarisch wertloser, aber auch 
gern gelesen waren die Schriften des Caffelaners Armand Strub 
berg, der 1858 die Erfahrungen seines texanischen Abenteuerlebens in 
zahlreichen Bänden zu erzählen begann und darin, ähnlich wie der auch 
in Cassel aufgewachsene Friedrich Gerstäcker, ein farbenreiches Bild 
von dem Leben an der Jndianergrenze lieferte. Feodor Löwe, wie 
Gerstäcker der Sohn einer Casseler Theatergröße, erivarb sich durch 
seine lyrischen Dichtungen die Doktorwürde unb durch sein Schauspieler 
talent sogar den württembergischen Adel. In unfreiwilliger Muße auf 
der Festung Spangenberg entstand Hornfecks „Schenkenbuch", aus 
dem einige Perlen zu beliebten Studentenliedern wurden, wie Höflings
	        

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