Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Französische Gesandte. Die Franzosen in Hannover. 
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dieses Mißtrauen erklärt die eigene unglückliche Politik Kurhessens in 
den paar Jahren vor der französischen Okkupation und seine zeitweise 
Hinneigung zu dem verhaßten Frankreich. 
Der Kurfürst hatte wahrlich keinen Grund, mit der Haltung der 
Franzosen seit dem Baseler Frieden besonders zufrieden zu sein. Trotz 
aller Abmachungen war es mehrmals zu Grenzverletzungen und Gebiets 
überschreitungen im südlichen Hessen gekommen, die man im Hinblick 
auf die schwebenden Entschädigungsverhandlungen mit der geballten 
Faust in der Tasche sich gefallen lassen mußte. Mit dem ersten fran 
zösischen Gesandten in Cassel Rivals (1796—1803), einem liebens 
würdigen und umgänglichen Mann, hatte der Kurfürst dabei noch ein 
erträgliches Auskommen gehabt, so beschämend er auch die Anwesenheit 
der „Jakobiner" an seinem Hofe empfand. Dessen Nachfolger wurde 
Edouard Bignon, der spätere Geschichtsschreiber Napoleons, der im 
August 1803 Rivals ablöste. Der Kurfürst war diesem schlauen und 
gewandten Diplomaten nicht gewachsen, der ihn noch dazu durch sein 
impertinentes Auftreten und durch den Versuch ärgerte, seine Ge 
liebte, eine Theaterdame Madame Chevalier, in die Casseler Gesellschaft 
einzuführen. Wie sehr den Franzosen der Kamm geschwollen war, sollte 
man nur zu bald merken. Fm Frühjahr 1803 kam es nach kurzem 
Frieden zu erneutem Bruch zwischen Frankreich und England und die 
Franzosen unter Mortier besetzten Hannover. Dieser Einfall in Nord- 
deutschland erregte den Kurfürsten aufs äußerste. „Mein ganzes deutsches 
Blut erwacht", schrieb er in sein Tagebuch, als ihm gemeldet wurde, 
daß die Hannoveraner sich wehren wollten. Zu Wilhelmsbad traf er im 
Sommer rnit dem König von Preußen zusammen und suchte ihn auf 
zurütteln. Aber vergebens. Was der Kurfürst dort sah und hörte, war 
nicht dazu angetan, sein an sich schon geringes Vertrauen auf Preußen 
zu stärken. Fm Gegenteil, er ahnte schon damals dessen Doppelspiel, 
ahnte, „daß Hannover wohl bald preußisch werden dürfte", und schied mit 
der bittersten Sorge um die Lage Deutschlands, „welches Preußen auf 
die unverantwortlichste Art den Franzosen preisgegeben hat". Die Fran 
zosen unter dem General Mortier richteten sich in Hannover häuslich 
ein und zeigten sich bald als recht unbequeme und unverschämte Nach 
barn. Nachdem bereits die Hansestädte und Mecklenburg von ihnen mit 
erpresserischen Zwangsanleihen beglückt worden waren, erschienen auf 
einmal im Oktober 1803 zwei französische Emissäre Durbach und 
Mühlens in Cassel und verlangten gleichfalls mehrere Millionen. Aber 
Wilhelm ließ sich nicht einschüchtern, trotzdem der preußische Gesandte
	        

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