Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

332 
Eisenbahnen Nauheim 
Kosten durch Aktienzeichnung aufgebracht (vgl. S. 222). Die Arbeiten 
leitete seit 1846 der belgische Ingenieur Franz Splingard aus Namur. 
Im Frühjahr 1848 war die erste Strecke von Carlshafen bis Greben 
stein fertig, und im Herbste konnte auch der bisher durch Omnibus 
fahrten vermittelte Abschnitt von Cassel nach Grebenstein eröffnet werden. 
Um dieselbe Zeit wurde auch im äußersten Süden des Landes die seit 
1845 aus privaten Mitteln erbaute Hanau-Frankfurter Bahn 
fertig, die in den unruhigen Septembertagen dieses Jahres das seit 
250 Jahren in gemächlicher Fahrt auf dem Main schwimmende Frank 
furter Marktschiff ablöste. Große Schwierigkeiten machte der Bau des 
südlichen Teiles der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn mit den großen 
Brückenbauten bei Guntershausen und Melsungen und verschiedenen 
Tunnelanlagen. Fast vier Jahre brauchte der belgische Ingenieur 
Gosfard zur Herstellung des Hönebacher Tunnels, nach dessen Fertig 
stellung das ganze Werk im Herbst 1849 vollendet war und dem Be 
trieb übergeben werden konnte. 
Der heftige Kampf um die Linienführung der zweiten großen 
hessischen Bahn vom Main zur Weser war zugunsten der Route über 
Marburg entschieden worden, und diesmal hatten die Stände auch die 
Kosten bewilligt, die durch mehrere große Anleihen aufgebracht wurden. 
Nach dem Abschluß des Vertrages voin 6. Februar 1845 mit Darmstadt 
und Frankfurt begann man mit den Bauarbeiten, die nach Gerlands 
Rücktritt zum Militärdienst der Erbauer des Ständehauses R u h l leitete, 
und am 3. September 1849 konnte der erste Zug der hessischen Süd 
bahn, von der Henschelschen Lokomotive „Hassia" geführt, bis Gen 
sungen gehen. Im Frühjahr 1850 war die Strecke bis Marburg fertig, 
zwei Jahre später, am 15. Mai 1852, wurde die letzte Strecke bis Frank 
furt dem Verkehr übergeben *). Auch die einstweilen zurückgestellte, erst 
1855 vom Kurfürsten konzessionierte zweite Route nach Frankfurt über 
Bebra—Fulda kam schließlich zur Ausführung, nachdem der Land 
tag von 1857 einstimmig ihren Bau beschlossen hatte. Die Ausführung 
verzögerte sich infolge der politischen Wirren und der teilweisen Terrain 
schwierigkeiten, namentlich am Distelrasen bei Schlüchtern, so daß die 
*) Eine bedeutende Förderung durch die neue Mnin-Weserbahn erfuhr u. a. 
das feit 1837 bestehende kurhessische Bad Nauheim, besonders seitdem nach 
bangen Sorgen um das Ausbleiben des Sprudels der Ausbruch der neuen, 56 Fuß 
hohen warmen Friedrich-Wilhelmsquelle am 15. Mai 1855 dem Bade eine neue 
Anziehungskraft verlieh, die anfangs nur eine ungeheure schaulustige Menge herbei 
zog (am 21. Mai kam auch der Kurfürst mit seiner Familie und deni Landgrafen 
Wilhelm hin), dann aber auch die Zahl der eigentlichen Kurgäste wesentlich verstärkte.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.