Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Leih- und Kommerzbank Henschel Eisenbahnen 
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Hause, hatte nur bei der Anlage der Friedrich - Wilhelms - Nordbahn 
eine kurze Feit geblüht und natürlich auch ihre Opfer gefordert. Wirt 
schaftliche Zusammenbrüche, wie der Bankerott der alten, seit 1721 be 
stehenden Casseler Leih- und Kommerzbank am 9. Mai 1859 gehörten 
zu den Seltenheiten, erregten darum aber auch um so mehr Aufsehen. 
Die Frage der Befriedigung ihrer Gläubiger beschäftigte noch lange die 
Regierung und den Landtag. 
Ein industrielles Unternehmen in Hessen stand wie kein anderes 
unter dem Einfluß der neuen Verkehrsentwicklung und verdient darum 
besondere Erwähnung. Aus den Ruinen des alten, im Oktober 1836 
abgebrannten staatlichen Gießhauses, das die Wiege der Firma gewesen 
war, entstand die von dem Oberbergrat Carl Anton Henschel mit seinen 
Söhnen gegründete Maschinenfabrik von Henschel L Sohn. Mit dem 
Bronzeguß des Fulder Bonifatiusdenkmals (vgl. S. 210) wurde das 
neue Werk eingeweiht, dessen Spezialität nicht mehr Glocken und Ka 
nonen, sondern schwere Werkzeugmaschinen für Eisenbahn und Schiffsbau 
werden sollten. Fast anderthalb Fahrhunderte nach Denis Papins erstem 
Casseler Versuch entstand hier 1843 der erste Fuldadampfer „Eduard" 
für den Verkehr zwischen Cassel und Münden, der aber dann, da die Kor 
rektion des Fuldabettes damals nicht zu ermöglichen war, für die Weser 
schiffahrt bestimmt wurde. Ihr eigentliches Feld fand die „Henschelei" 
aber auf dem Gebiete des Lokomotivenbaues. Am 29. Juni 1848 wurde 
die erste Lokomotive „Drache" für die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn 
abgeliefert, und seitdem ging die Herstellung in iinmer mehr beschleu 
nigtein Tempo vor sich. 1860 wurde die fünfzigste Lokomotive fertig: 
nach fünf Fahren war das erste Hundert bereits überschritten. 
Carl Anton Henschel war einer der eifrigsten Förderer des hessischen 
Eisenbahnbaues gewesen, sein Schwiegersohn Gerland wurde der 
erste Generaldirektor der staatlichen Bahnbauten. Die Schwierigkeiten, 
die anfangs den Eintritt Kurhessens in das deutsche Eisenbahnnetz ver 
zögerten, sind oben bereits erwähnt worden. Abgesehen von dem bald 
überwundenen prinzipiellen Widerstand der konsequenten Eisenbahngegner 
hemmte die begreifliche Unschlüssigkeit über die Linienführung jahrelang 
den Eisenbahnbau. Nach dem Abschluß des Vertrages vom 20. De 
zember 1841 zwischen Kurhessen, Preußen, Weimar und Gotha dauerte 
es noch drei Fahre, bis der Bau der ersten hessischen Bahn, der Kurfürst 
Friedrich-Wilhelms-Nordbahn von Carlshafen bzw. Hümnie über 
Cassel—Bebra nach Gerstungen in Angriff genommen wurde. Da die 
Stände sich gegen den Bau aus Staatsmitteln sträubten, so wurden die
	        

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