Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Die ersten Jahre des Kurfürstentums. 
eit der Verlobung seines Sohnes mit der Tochter Friedrich Wil 
helms II. (1795) war das Band zwischen Cassel und Berlin 
besonders eng geknüpft. Der kurz danach folgende Abschluß des Baseler 
Friedens hatte dann Hessen in völlige politische Abhängigkeit von Preußen 
gebracht. Aber dem Kurfürsten war nicht wohl dabei. Regelmäßig kam 
er zum Karneval nach Berlin, wo ihn die Liebenswürdigkeit der Königin 
Luise bezauberte, doch die lauten und prunkvollen Feste des königlichen 
Hofes fanden ebensowenig seinen Beifall, wie die preußische Politik. 
Trotz des Separatfriedens mit Frankreich war sein Herz gut deutsch 
geblieben. Mit Jubel begrüßte er die Nachricht von jedem kaiserlichen 
Sieg, konstatierte mit Genugtuung, daß die „jakobinischen" Gesandten 
in Cassel die Köpfe hängen ließen, und geriet wieder in schmerzliche 
Erregung, wenn das Blatt sich zugunsten der Franzosen wandte. Öfters 
versuchte er seinen Einfluß geltend zu machen, um Preußen wieder auf 
die „gute Seite" zu bringen. Er schrieb an den Kaiser von Rußland, der 
ihn bat, Friedrich Wilhelm III. für die Koalition gegen Frankreich 
zu gewinnen. Auf der Plattform des Herkules überreichte er dem König 
bei seinem Besuch in Cassel 1799 ein Schreiben Alexanders, aber er 
fand kein Gehör mit seinen Warnungen und Vorstellungen. Als die 
Engländer in Holland einfielen, trat er mit ihnen in Verbindung wegen 
eines neuen Subsidientraktates, aber alle diese Pläne scheiterten an der 
Untätigkeit und Unentschlossenheit Preußens, an das er nun einmal ge 
fesselt war. Zu der Unzufriedenheit über die Schwäche der preußischen 
Politik kam die bittere Verstimmung über Preußens Unzuverlässigkeit 
in der Entschädigungsfrage. Seit dem offenbaren Bruch der Pgrmonter 
Konvention, seit der Kurfürst sich „in puncto Indemnität totaldupirt" 
sah, faßte ein tiefes Mißtrauen bei ihm Platz, das durch das Auftauchen 
der hannöverschen Frage kaum noch vermehrt werden konnte. Nur
	        

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