Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

294 Verfassung u. Bundestag Gemeinhessische Politik Kurfürst in Wien 
den General v. Gerlach zu, daß er selber in zweifelhaften Fällen mit 
den Äugelt seiner Standesgenossen, der Ritterschaft, sehe, die nicht auf 
Hassenpflugs Seite sei, der ja nicht einmal von seinem Kollegen v. Baum 
bach unterstützt werde. Schon früher hatte Bismarck vorgeschlagen, 
sich mit der kurhessischen Angelegenheit nicht zu beeilen, um ein Druck 
mittel auf die Regierung des Kurfürsten bei Erneuerung des Zollvereins 
zu behalten, und jetzt war es ebenso Österreich, das nach Bismarcks 
Behauptung dieses Druckmittel auf die kurhessische Stimme in der 
orientalischen Angelegenheit nicht missen wollte. So kam die Derfassungs- 
frage auch am Bundestage nicht zum Abschluß und wurde jahrelang 
weiter verschleppt, zumal die kurhessische Regierung sich auch nicht beeilte, 
die vom Bundestage geforderten Erklärungen beizubringen. 
In der auswärtigen Politik hatte Hassenpflug die gemeinhessischen 
Bestrebungen wieder aufgegriffen und Anfang 1854 den wiederholten 
Versuch gemacht, durch entsprechende Anträge in der Bundesmilitär- 
Kommission die Vereinigung der hessischen und nassauischen Kontingente 
zu einem eigenen Armeekorps zu erreichen. Diese alten Bestrebungen 
stießen wiederum wie früher (vgl. S. 100) hauptsächlich auf preußischen 
Widerspruch, da ihre Verwirklichung das kurhessische Kontingent „aus 
seiner natürlichen Verbindung herausreißen und das preußische Ver 
teidigungssystem schwächen würde". Man beobachtete überhaupt in Berlin 
das gute Einvernehmen zwischen Cassel und Darmstadt mit Mißtrauen, 
und als Dalwigk dem preußischen Gesandten v. Canitz bei einem 
Besuche des kurhessischen Ministers des Ausw. v. Baumbach in Darm 
stadt die geforderte Auskunft über den Zweck dieses Besuches verweigerte, 
da wurde Canitz so ausfallend, daß Dalwigk seine Abberufung verlangte 
(Mai 1853) und (trotz Bismarcks eifriger Gegenaktion) auch erreichte. 
Die auswärtigen Beziehungen Kurhessens waren sonst wieder normal. 
Nach Beendigung der Bundesexekution war der Kurfürst im November 
1851 nach Wien gereist, um sich beim jungen Kaiser Franz Joseph 
persönlich für die geleistete Bundeshilfe zu bedanken und in der Kaiser- 
stadt durch seine verschwenderische Freigebigkeit Aufsehen zu erregen. Fürst 
Schwarzenberg erhielt das Großkreuz des Goldenen Löwenordens 
und dankte am 28. Februar 1851 mit dem Wunsche: „Mögen die 
guten Elemente, an welchen der Kurstaat gewiß noch nicht verarmt ist, 
und schrieb an Manteuffel: die Tatsache, dah der Graf Isenburg den Minister ge 
prügelt habe (S. 297), könne er nicht für einen Beweis von Wahnsinn halten: 
obwohl doch Isenburg nach seiner Tat die Absicht aussprach: mit deni Herrn 
v. Bismarck in Frankfurt werde er es geradeso machen.
	        

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