Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Verfolgung der politischen Gegner 
der vergangenen Wochen verzichtete. Die Hoffnung auf diese Politik 
der Milde, die allein nach dem errungenen Siege auch einen wirklichen 
endgültigen Frieden versprach, ging leider nicht in Erfüllung. Vielmehr 
begannen jetzt die unter dem bisherigen Kriegszustand vergeblich be 
rufenen, nun endlich mit Bundeshilfe konstituierten Kriegsgerichte 
ihre Arbeit, und die von ihnen gegen zahlreiche Beamte, Richter und 
Offiziere angestrengten Prozesse sorgten dafür, daß der Riß zwischen 
den beiden feindlichen Lagern sich nicht schloß, und die Wunde offen 
gehalten wurde. Zwar erließ der Klirfürst am 26. Zum 1851 eine 
Amnestie für die politischen Vergehen der Konfliktszeit, die war aber so 
verklausuliert lind mit so vielen Ausnahmen durchlöchert, daß sie ihren 
Zweck völlig verfehlte. Die renitenten dichter, Staatsprokuratoren sowie 
die Mitglieder der Direktion der Haupt- und Staatskasse wurden zwar 
von den Kriegsgerichten freigesprochen. Abgesehen davon erfolgte jedoch 
eine ganze Reihe von Verurteilungen, vor allem der Mitglieder des 
landständischen Ausschusses, die den Widerstand inspiriert und organisiert 
hatten, weiter von Verwaltungsbeamten und Offizieren wegen ungesetz 
licher und dienstwidriger Handlungen, und das Kastell und die alte 
Bergfestung Spangenberg wurden dadurch überfüllt von politischen Ge 
fangenen, die sich als Märtyrer fühlten und auch allgemein als solche 
betrachtet wurden. Strafversetzungen gab es in Menge, dagegen war 
die Zahl der Beamten, die während der Bundesexekution ihren Abschied 
forderten und erhielten, nicht groß. Einige davon gingen ins Ausland 
und sorgten dafür, dort die Stimmung gegen die kurhessische Regierung 
wach zu erhalten. Der Stadtrat Dr. Philipp!, Direktor der Poly 
technischen Schule und ein bedeutender Konchyliologe, floh sogar über 
den Ozean und brachte die Nachricht von den „kurhessischen Zuständen" 
bis in die chilenische Wüste Atacama. Auch die Herausgeber der oppo 
sitionellen Zeitungen hatten sich noch vor dem Eintreffen der Strafbayern 
in Sicherheit gebracht. Die „Neue Hessische Zeitung", der Moniteur der 
steuerverweigernden Gegenregierung, erschien noch in ein paar Nummern 
von Göttingen aus, um dann zu verstummen. Nicht so seine steckbrief 
lich verfolgten Redakteure Pfaff und Oetker, von denen namentlich 
der letztere noch von Helgoland aus es verstand, mit altem Geschick 
und unverminderter Schärfe die Polemik gegen die hessische Re 
gierung in der Kölnischen und der Augsburger Allgemeinen Zeitung 
fortzusetzen. Auch die Redakteure der „Hornisse", die Graf Leiningen 
angeblich vor Kanonen hatte binden lassen wollen, hatten sich, schlag 
fertig und witzig bis zum letzten Augenblick, auf den alten Spruch
	        

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