Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Eindruck in Wilhelmsbad Bundesexekution beschlossen 
wie Haynau meldete, die Unteroffiziere der Casseler Garnison eine Adresse 
vorbereiteten, um gegenüber der Renitenz der Offiziere ihre unbedingte 
Treue aufs neue zu geloben, konnte nur ein schwacher Trost für den 
Fürsten sein, der klug genug war, diesen dienstwidrigen Schritt nicht 
zuzulassen. Eine Deputation des Oberappellationsgerichts unter Führung 
von Elvers machte damals noch den vergeblichen Versuch, eine Ka 
binettskrisis heraufzubeschwören und den Fürsten von seinen Ratgebern 
zu trennen. Aber Friedrich Wilhelm blieb fest und weigerte sich, „sich 
von den Staatsdienern den Umfang seiner Regierungsgewalt vorschreiben 
zu lassen und ihnen gewissermaßen eine Mitherrschaft zuzugestehen". 
Das Ministerium Hassen pflüg blieb und wurde noch durch den 
gleichgesinnten neuen Vorstand des Finanzministeriums Volmar er 
gänzt, der sein Amt mit einer zuerst von demokratischer Seite vorge 
schlagenen Reduktion der Finanzbehörden begann. Durch den Schritt 
seiner Offiziere des letzten Mittels beraubt, mit eigener Kraft des Wider 
stands der renitenten Staatsdiener Herr zu werden, sah sich der Kur 
fürst gezwungen, die Hilfe des Bundes anzurufen. Der größere Teil 
der Mannschaften der Casseler Garnison wurde in Urlaub entlassen und 
die geschwächten Bataillone in die Umgegend von Hanau verlegt. 
Hier erhielten im Laufe des Novembers 48 von den Offizieren den 
geforderten Abschied bewilligt, von denen sechs später wieder eintraten. 
Das Schicksal der übrigen entschied sich mit den weiteren Schicksalen 
des Landes. 
Am 25. Oktober beschloß der Bundestag „zur Widerherstellung 
der gesetzmäßigen Ordnung" die Bundesexekution über Kurhessen, 
und in einer landesherrlichen Verkündigung, die sich selbst als ein „Wort 
des Vertrauens mit fester Zuversicht auf die Treue seines Volkes" be 
zeichnete, bereitete der Kurfürst die Hessen auf den bevorstehenden Ein 
marsch der Bundestruppen vor. Es kam nun alles darauf an, wie 
Preußen, dessen Heerscharen an drei Seiten Hessen drohend umlagerten, 
sich zu der Bundesexekution stellen würde. Es war ja eine Ironie des 
Schicksals, daß gerade Männer wie Friedrich Wilhelm IV. und 
Radowitz, Hassenpflugs alte Gönner und Freunde, die nach ihren 
Anschauungen von dem Rechte der kurfürstlichen Regierung überzeugt 
sein mußten und überzeugt waren, der hessischen „Revolution in Schlaf 
rock und Pantoffeln" ihren Beistand liehen und ihretwegen zum Bruder 
krieg entschlossen schienen. Eine Zusammenkunft des Kaisers Franz 
Joseph mit den Königen von Bayern und Württemberg zu Bregenz 
am 11. Oktober hatte gezeigt, daß Süddeutschland hinter dem Bundes-
	        

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