Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Withetmsbader Gesellschaft Eingreifen des Bundestags 
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naanitern des Libanon zu beweisen vermochte. Aus dem badischen Lande, 
von der Universität Heidelberg, kam auch der begabte, politisch freilich 
nicht sehr charakterfeste Staatsrechtslehrer Leopold Ilse, ein geborener 
Braunschweiger, der als Schwiegersohn des alten Ministers v. Meyer 
schon längst Beziehungen zu Hessen hatte. Unter Hassenpflugs Leitung 
verfaßte Ilse die an alle Höfe versandte Denkschrift der kurhessischen 
Regierung betreffend ihre Differenzen mit ben Landständen, die zunächst 
dazu bestiiumt war, dem Btindestag die verlangte Aufklärung über die 
gegenwärtige Lage im Kurfürstentum zu geben. 
Schon am 17. September erstattete Hassenpflug als kurhessischer 
Vertreter am Bundestag diesem mündlichen Bericht über die kur 
hessischen Vorgänge. Er charakterisierte den Widerstand, den die Re 
gierung gefunden, als einen Kampf der Revolution gegen die Monarchie 
und legte die Vergeblichkeit aller bisher angewandten Mittel zur Brechung 
dieses Widerstandes dar. Infolgedessen faßte die Bundesversammlung 
am 21. September den Beschluß, die kurhessische Regierung aufzufordern, 
alle einer Bundesregierung zustehenden Mittel anzuwenden, um die 
ernstlich bedrohte landesherrliche Autorität im Kurfürstentum wiederher 
zustellen, und behielt sich vor, die zur Sicherung und Wiederherstellung 
des gesetzlichen Zustandes erforderlich werdenden Anordnungen zu treffen. 
Am 23. September wurde dieser Beschluß in Hessen amtlich bekannt 
gemacht und sofort von dem landständischen Ausschuß mit einem Protest 
gegen jede Einmischung in die Angelegenheiten Kurhessens beantwortet, 
die ein Attentat gegen die Sicherheit und Unabhängigkeit dieses souve 
ränen Staates bedeuten würde. Der Wortlaut dieses Protestes ließ 
schon deutlich die Hoffnung auf eine preußische Intervention zum Schutz 
des in Kurhessen bedrohten „Völkerrechts" durchblicken. 
In Berlin hatte man die Casseler Vorgänge seit dem 31. August 
sehr aufmerksam beobachtet imb schon sehr bald aus seinen Sympathien 
für die Opposition gegen die kurfiirstliche Regierung keinen Hehl gemacht. 
Die preußischen offiziösen Preßorgane erklärten, Preußen werde nienials 
eine Einmischung Österreichs oder des sog. Bundestags, vor allem aber 
kein Einrücken von Bundestruppen in Hessen dulden. Das wurde von 
den kurhessischen Gegnern Hassenpflugs mit Befriedigung vernommen, 
und ihr Widerstand dadurch neu belebt und gekräftigt. Dazu kam die 
stille, aber um so regsamere Wirksamkeit, die preußische Beamte und 
Offiziere in diesen kritischen Tagen in Cassel entfalteten. Es knüpften 
sich schon damals Fäden, die sich bis zu der unseligen Totengräberei 
der sechziger Jahre fortspannen. Der Geheime Oberregierungsrat Del- 
Losch. Geschichte des Kurfürstentums Hessen. 18
	        

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