Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Wiederherstellung des Bundestages Neuwahlen 
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Zeugung, daß der Bund noch zu Recht bestehe, und daß die Frank 
furter Versammlung sich als Bundesplenarversammlung konstituieren und 
den Bundestag reaktivieren müsse, um dann die Revision des deutschen 
Derfassungswerkes durch eine Fürstenversammlung aller Bundesglieder 
vorzunehmen. Dieser Gedanke, mit dem das weitere Verbleiben Hessens 
in der Union unvereinbar war, bereitete anfangs seinen Casseler Minister 
kollegen große Verlegenheiten, wurde dafür aber um so eifriger von der 
österreichischen Regierung Fürst Schwarzenbergs aufgegriffen und zur 
Durchführung in die Hand genommen. Die dadurch eingeleitete und am 
1. September faktisch vollzogene Wiederherstellung des Bundes 
tags gab dem hessischen Minister den nötigen Rückhalt für die kommenden 
Stürme in der engeren Heimat, die ihn und den Kurfürsten nach Cassel 
zurückriefen. 
Die finanzielle Obstruktion des am 12. Juni aufgelösten Landtags 
hatte die Lage in Hessen immer schwieriger gestaltet. Die Staatsver 
waltung wäre aus Mangel an Mitteln völlig ins Stocken geraten, 
wenn der Kurfürst nicht der Hauptstaatskasse durch einen Vorschuß von 
100000 Talern, der dann auf eine Million anwuchs, ausgeholfen hätte. 
Inzwischen hatte der Vorstand des Finanzministeriums Lometsch, ein 
auch von den Gegnern der Regierung als ein ungemein gewissenhafter 
und fleißiger Arbeiter geschätzter Mann, sich überzeugt, daß der von dem 
Märzministerium noch herrührende Budgetvoranschlag für 1850/51, der 
mit der Auflösung des Landtags ohnehin hinfällig geworden war, völlig 
unbrauchbar sei, und daß er darum dem neuen Landtag einen neuen 
eigenen Entwurf vorlegen müsse. Wäre nun die finanzielle Rot nicht so 
groß gewesen, so hätte man mit der Einberufung des Landtags warten 
können bis zur Fertigstellung dieses Entwurfs. So aber drängte die 
Geldverlegenheit der Staatsverwaltung zu dem Versuch, die Hilfe der 
neugewühlten Kammer wenigstens für die Forterhebung der Stellern 
in Anspruch zu nehmen, noch ehe der neue Budgetvoranschlag vorgelegt 
werden konnte. . Am 28. Juni, am selben Tage, da Kurhessen seinen 
förmlichen Austritt aus der Union erklärte, wandte sich Kurfürst 
Friedrich Wilhelm von Philippsruhe aus mit einer landesherrlichen 
Verkündigung an das hessische Volk, um die bisherige Entwicklung des 
hessischen und deutschen Verfassungskonfliktes vom Standpunkt der 
Regierung aus zu kennzeichnen und die Unterstützung der Bevölkeruirg 
bei weiterer Befolgung des eingeschlagenen Weges anzurufen. Die in 
diesem, für eine unmittelbare Wirkung viel zu langatmigen Wahlaufruf 
ausgesprochene Erwartung, daß man „besonnene, von dem Geiste leiden
	        

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