Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

262 
Kriegserklärung der Stände gegen Hassenpflug 
vornherein von der ständischen Opposition als Lug und Trug behandelt. 
Ihre Antwort war eine wütende Kriegserklärung, begründet durch ein 
langes Sündenregister der vormärzlichen Zeit, deren politische Verfeh 
lungen alle ausnahmslos Hassenpflug in die Schuhe geschoben wurden. 
Selbst die Demokraten, die sich dem Eindruck der charaktervollen Per 
sönlichkeit Hassenpflugs nicht entziehen konnten und offen in der 
Kantmer, nicht ohne Spitze gegen die frühern Minister, erklärten, daß 
er „ein ganzer Mann von Geist und Eleganz", und ein warmer, wirk 
licher und lebendiger Kampf mit ihm möglich sei, ließen sich zu maß 
losen Angriffen mit fortreißen, die um so sinnloser waren, als man 
noch keine einzige anfechtbare Handluitg des iteuen Ministeriums ge 
sehen hatte. Darauf aber kam es seinen Hauptgegnern, den Mannen 
der „Neuhessischen Zeitung" gar nicht an. Es genügte ihnen das Ver 
brechen, daß Hassenpflug überhaupt Minister war, und die ganze Tätig 
keit der ständischen Opposition bestand von nun an eingestandenermaßen 
nur darin, den Sturz des Verhaßten zu bewerkstelligen, wie Oetker, 
der Heerrufer der Konstitutionellen in der Ständekammer, offen ver 
kündete: „Wir müssen jetzt alles möglichst unbeachtet lassen, so lange 
diese Minister nicht die Frechheit aufgeben, Minister zu sein." So be 
gann ein Kampf, in dessen Verlauf der Prinzipienstreit zwischen ver 
fassungsmäßig beschränkter Monarchie und mehr oder weniger unbe 
schränkter Volkssouveränität auf die höchste Spitze getrieben werden 
sollte. In diesem Kampfe waren alle Mittel recht, auch die kleinlichsten 
und erbärmlichsten. Man beschnüffelte Hassenpflugs Vorleben, man ver 
langte von ihm 9000 Taler angeblich zuviel erhaltenen Gehaltes aus 
seiner ersten Ministerzeit vor dreizehn Jahren zurück und vor allen 
Dingen, als man erfuhr, daß Hassenpflug in Greifswald von einem 
entlassenen Gerichtspedellen wegen eigenmächtiger summarischer Behand 
lung der Tapezierrechnungen seiner Dienstwohnung denunziert und dann 
auf eigenen Wunsch in gerichtliche Anklage genommen war, da wurde 
diese sog. Greifswalder „Fälschung" von Hassenpflugs Gegnern unge 
heuer aufgebauscht und breitgetreten, bis schließlich, aber reichlich spät, 
das Berliner Obertribunal durch Freisprechung Hassenpflugs dem Treiben 
ein Ziel setzte. 
Das vermeintlich sicherste Mittel zum Sturze Hassenpflugs sollte 
die Verweigerung aller finanziellen Mittel sein, obwohl die Stände 
kammer nach der Verfassung verpflichtet war, für Aufbringung des 
Staatsbedarfs durch Verwilligung von Abgaben zu sorgen. Das März- 
ministerium hatte die Staatsfinanzen in völliger Zerrüttung hinterlassen;
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.