Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Beamtenschaft. Universitäten. 
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Verhältnisse im Jahre 1806. Die Beamtenschaft >var gut. Um ihr 
Berantwortlichkeitsgefühl zu heben, mußten alle Staatsdiener, selbst 
die ärztlichen Physici, Uniformen tragen. Zweifelhafte Elemente unter 
ihnen wurden durch die häufigen, unangemeldeten Reisen des Kurfürsten, 
der selbst die kleinsten Ortschaften inspizierte und die Klagen der Unter 
tanen entgegennahm, in Schach gehalten. Die Beamten sollten nach 
seiner Absicht den Untertanen in allem ein gutes Beispiel geben, waren 
deshalb auch zu fleißigem Besuch der Gottesdienste angehalten, wobei 
ihnen der aufrichtig fromme Fürst als Muster dienen konnte. Die 
Besoldung der Staatsdiener war gering trotz mancher Aufbesserungen, 
entsprach aber im ganzen den sehr bescheidenen Lebensverhältnissen des 
armen, aber schuldenfreien Landes. 
Das geistige Leben in Hessen war wenig entwickelt, trotz der 
Gunst, die der Kurfürst der Marburger Landesuniversität nach seinem 
Regierungsantritt zuwandte, die damals durch die Lehrkräfte und Ein 
richtungen des ehemaligen Casseler Collegium Carolinum erweitert 
worden war. Da das Carolinum sich im Laufe der Zeit zu einer 
medizinisch-naturwissenschaftlichen Fachschule ausgewachsen hatte, so 
kamen seine Einrichtungen hauptsächlich diesen Universitätsfächern zu 
gute. Unter den damaligen Marburger Lehrkräften hatten wenigstens 
die Namen der Theologen Wachler und Fusti, des Philosophen Tenne 
mann, des Botanikers Mönch, des klassischen Philologen Creuzer, des 
Anatomen Tiedemann, des Gynäkologen Stein, des originellen Medi 
ziners Baldinger und des frommen Kameralisten Zung-Stilling mehr als 
bloß lokale Bedeutung. Doch vermochte die kleine Universität gerade 
die besten Lehrer meistens nicht dauernd an sich zu fesseln. Creuzer, 
Tiedemann und Zung-Stilling, der in Marburg besonders als Staar- 
operateur gefeiert war, gingen nach Heidelberg, wohin ihnen später auch 
der Zurist und Paläograph Ulrich Friedrich Kopp folgte, der bis dahin 
Geheimer Kabinetsrat in Cassel gewesen war. Auch Savigny, der Be 
gründer der deutschen Rechtsschule, zu dessen Füßen sich die Brüder 
Grimm damals auf ihre große Zukunft vorbereiteten, verließ nach kurzer 
Lehrtätigkeit sein idyllisches Haus am Bettinaturm, in dem die jüngeren 
Romantiker vorübergehend eine Heimstatt gefunden hatten. 
Die zweite Universität des Landes, in dem vom Weltverkehr ab 
gelegenen Rinteln, hatte nur eine untergeordnete Bedeutung und war 
bereits im Absterben, noch che die französische Fremdherrschaft sie gänz 
lich aufhob. Gymnasien oder ähnliche Lehranstalten gab es in Cassel, 
Marburg, Hanau, Hersfeld und Schlüchtern, daneben noch mehrere
	        

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