Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Unterdrückung der Opposition Tod Wilhelms II. 1847 
Kurfürstlichen Geheimen Kabinett herrschte seit Konrad Abee's Ein 
tritt die strenggläubige Richtung vor. Den Kurprinzen konnte man 
freilich nicht als Anhänger dieser Richtung betrachten, und den ton 
angebenden Männern der liberalen Partei war sie gänzlich zuwider. 
Wenn es nun auch der Regierung gelang, durch ein ausgedehntes 
System vorläufiger Wahlbeanstandung die schärfste Opposition von der 
neuen Kammer fernzuhalten, so wurde damit allerdings erreicht, daß 
der im Mai 1847 zusammentretende neue Landtag sich im allgemeinen 
willfährig zeigte, aber es wurde dabei auch viel politischer Groll gesäte 
der in dem stürmischen Frühling des nächsten Jahres üppig auf 
gehen sollte. 
Im Sommer 1847 reiste der Kurprinz Friedrich Wilhelm 
nach Nenndorf und verweilte bis zum 6. August in der Grafschaft 
Schaumburg, die sich zum Jubelfest der 200 jährigen Vereinigung mit 
dem Hessenland rüstete. Es gab kein Städtchen und Dörfchen, das sich 
nicht an der allgemeinen Feier beteiligt hätte, und überall, wo der Re 
gent erschien, wurde er herzlich empfangen und freudig begrüßt. Wenige 
Monate danach, als die Landstände wieder versammelt waren und sich 
mit unfruchtbaren Debatten über die Wahllegitimationen unterhielten, 
kam die erste Nachricht von einer ernsten Erkrankung des Kurfürsten 
Wilhelms II. nach Cassel. Man hatte ihn dort fast ganz vergessen, 
nachdem der letzte Versuch, ihn zur Rückkehr zu beivegen, erfolglos ge 
blieben war. Beim Tode der Gräfin Reichenbach hatten sich sogar die 
Casseler Stadträte zu einem tiefempfundenen Kondolenzschreiben auf 
geschwungen und damit den leicht gerührten Kurfürsten endlich wieder 
versöhnt. Aber nachdem der alte .Herr sich in seiner dritten Ehe mit 
der jungen Gräfin Bergen schnell getröstet hatte, reizte ihn nichts mehr, 
sein friedliches Heim vor dem Frankfurter Ilntermaintor zu verlassen, 
wo er in stiller Zurückgezogenheit, hauptsächlich seiner Liebhaberei, der 
Malerei, aber auch seiner alten Schwäche, dem Glücksspiele huldigend, 
seine letzten Fahre verbrachte. Am 20. November eilte der Kurprinz 
nach Frankfurt, fand aber den Vater nicht mehr am Leben, konnte 
ihn nur noch begraben helfen. Das Mausoleum, das Wilhelm II. 
auf Wilhelmshöhe geplant hatte, blieb unausgeführt. Auch die auf 
dem Frankfurter Totenhof für ihn und die Reichenbach erbaute Gruft 
mit den prächtigen, von v. d. Launitz entworfenen Marmorsarkophagen 
harrte vergebens auf den Erbauer, der der langjährigen Geliebten so 
schnell eine Nachfolgerin gegeben hatte. So fand auf Beschluß des 
neuen Kurfürsten die Beisetzung in Wilhelms II. Geburtsstadt, in Hanau.
	        

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