Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Tod Schomburgs 1841 Eisenbahnpläne 
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wurden, da ihr Erscheinen schwierige, dem Kurprinzen und seiner Ge 
mahlin peinliche Etikettenfragen auswerfen mußte. 
Zn der Ständeversammlung hatte Schomburg der Kurfürstin 
Auguste einen besonders warmen Nachruf gehalten, war dann aber 
nicht mehr in der Kammer erschienen. Um seine Gesundheit zu kräftigen, 
reiste er zu einem Freunde nach Thüringen und starb in dessen Hause 
zu Mihla am 4. Zuli 1841. Der Casseler Stadtrat ließ die Leiche 
durch eine Deputation nach Cassel geleiten, wo sie unter allgemeiner, 
die großen Verdienste des Verstorbenen ehrenden Teilnahme auf dem 
neuen Totenhofe begraben wurde. Sein Freund Bernhardi setzte ihm 
durch Herausgabe seines Briefwechsels ein schönes Denkmal; erst viele 
Fahre später (1879) wurde seine Erzbüste auf dem Casseler Meßplatz 
enthüllt. Schomburg war nach dem treffenden Urteil eines seiner Partei 
freunde „ein Mann von hoher Redlichkeit und großer Befähigung, der 
ein wahrhaft schönes Ziel vor Augen hatte, aber auf dem steinigen 
Wege dahin bald rechts, bald links ausglitt, weil er bald hier, bald 
dort die Steine des Anstoßes zu umgehen suchte". Sein Tod riß eine 
empfindliche Lücke in die politischen Kreise Hessens. Fm Casseler Ober 
bürgermeisteramt folgte ihm der bisherige Stadtgerichtsdirektor Ludwig 
Arnold, ein geborener Eschweger, der sich bei seiner Bestätigung ver 
pflichtete, auf Wunsch der Regierung wieder in den Staatsdienst zurück 
zutreten. In der Ständekainmer, von der Schomburg noch auf dem 
Sterbebette lebhaft phantasiert hatte, konnte er überhaupt nicht ersetzt 
werden. Öde und langweilig schleppten sich deren Verhandlungen weiter. 
Legitimationsstreitigkeiten pflegten sie einzuleiten, und nur durch das 
schroffe Auftreten des Landtagskommissars Scheffer und durch die Ge 
reiztheit der Stände wurde das Einerlei öfters unterbrochen. Sehr leb 
haft gestalteten sich die Debatten um die Eisenbahnpläne, die seit 
Hassenpflugs Fortgang nicht zur Ruhe, aber auch nicht viel weiter 
gekommen waren. Die Eisenbahnfreunde machten der Regierung den 
Borwurf, daß sie die Sache verzögere, und bei der langsamen Ent 
schlußfähigkeit des Kurprinzen mochte das nicht unbegründet sein. 
Andererseits herrschte aber auch über die Frage, welche Eisenbahn 
verbindungen überhaupt, welche zuerst herzustellen seien, große Mei 
nungsverschiedenheit, und da Kurhessen als mitteldeutsches Durchgangs 
land auf die Pläne der Nachbarstaaten Rücksicht zu nehmen hatte, so 
gab es mancherlei Hemmungen der verschiedensten Art zu überwinden 
und auszugleichen. Mit Preußen, Weimar und Gotha wurden Verträge 
über eine Halle-Casseler Bahn abgeschlossen, mit Darmstadt und Frank-
	        

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