Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Morganatische Ehen Wilhelms II. Die Agnaten 
fürt, und Wilhelm II., der ohne weiblichen Umgang nicht leben konnte, 
schritt ein halbes Jahr später zu einer dritten Ehe mit Caroline 
v. Berlepsch, die später den Titel einer Baronin, dann einer Gräfin 
v. Bergen erhielt. 
Durch die morganatischeit Ehen des Kurfürsten und seines Sohnes 
gewannen die abgezweigten Seitenäste des Kurhauses eine neue Be 
deutung, da bei dem Mangel thronfolgeberechtigter Nachkommen des 
Hauptstammes ihnen nach menschlichem Ermessen einmal die Fürsten 
krone Heinrichs des Kindes zufallen mußte. Der nächste Agnat des 
Kurhauses Landgraf Carl, der Lieblingsbruder Wilhelms I., war am 
17. August 1836 zu Luisenland gestorben im hohen Alter von 92 Zähren, 
das er den Lebenselixieren seines geheiinnisvollen Freundes Saint Ger 
main zu verdanken glaubte. Der einzige überlebende Sohn des alten 
Herrn, Friedrich, Gouverneur von Rendsburg, kam als hessischer 
Thronerbe kaum in Frage, da er selbst in morganatischer Ehe mit einer 
Freun v. Brockdorf lebte. Er starb 1845 zu Pauker und überließ seinen 
holsteinischen Besitzt) dem Rumpenheimer Zweig, der von Landgraf 
Friedrich, dem jüngsten Bruder Wilhelms 1., abstammte. Auch Landgraf 
Friedrich (ch 20. Mai 1837 zu Frankfurt) erreichte ein hohes Alter. 
Nach seinem Tode war sein Sohn Wilhelm (* 1787) der nächste 
hessische Thronanwärter. Als Gemahl der dänischen Prinzessin Charlotte 
und als Gouverneur von Kopenhagen lebte er fast ausschließlich in der 
dänischen Hauptstadt, fühlte sich überhaupt mehr als Däne, denn als 
Deutscher. Während sein Vater wenigstens durch einen Vertreter an den 
hessischen Landtagsverhandlungen teilgenommen hatte, hielt sich Landgraf 
Wilhelm völlig davon fern, erkannte auch die Verfassung nicht an, weil 
die Vorschrift, nach der der Sitz der Regierung nicht außer Landes 
verlegt werden durfte, mit den doppelten Thronfolgehoffnungen seines 
Sohnes Friedrich nicht vereinbar war. Als Sohn der Prinzessin 
Charlotte, Schwester Christians VIII. von Dänemark, galt dieser Prinz 
lange Zeit auch als der nächste Anwärter auf den dänischen Thron, 
bis er (1851) zugunsten seiner Schwester Luise auf seine Ansprüche 
verzichtete, nachdem sein Vater schon 1848 seinen Widerspruch gegen die 
hessische Verfassung fallen gelassen hatte. Abgesehen von dem Prinzen 
Georg, dem jüngsten Bruder des Landgrafen Wilhelm, kamen die 
Agnaten wenig an den Caffeler Hof, wo sie nicht allzu gern gesehen 
h Schloß Pauker mit der Herrschaft Hessensteiii in Ostholstein stammte aus 
der Hinterlassenschaft des 1808 ch Fürsten Friedrich Wilhelm v. Hessenstein, eines 
natürlichen Sohnes des Landgrafen Friedrich l., Königs von Schweden.
	        

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