Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Militäretat Neue Uniformen Kriegsgefahr 
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zurück. Er wurde zwar trotzdem für die Landtagsperiode 1840/42 wieder 
gewählt, das Präsidium aber übernahm der Obergerichtsdirektor Moritz 
v. Baumbach, eins der liberalen Mitglieder des hessischen Adels. In 
der Rotenburger Angelegenheit suchte nun Huber, der neue Vertreter 
der Universität (vgl. S. 206), zu vermitteln. Schon längst war unter den 
Ständen keine völlige Einigkeit mehr über diese Frage, da insbesondere 
der Adel die Partei des Regenten ergriffen hatte. Wenn es auch zu 
keiner eigentlichen Verständigung kam, so schlief doch der Streit nun 
allmählich ein und bildete kein Hindernis mehr für das Zustandekommen 
des Finanzgesetzes für 1840/42, das zum ersten Male seit dem Erlaß 
der Verfassung einen Uberschuß der Einnahmen über die Ausgaben zeigte. 
Trotz dieses günstigen Ergebnisses wollten die Stände den Militäretat 
nicht bewilligen, in dem eine Vermehrung der Kavallerie um zwei 
Schwadronen vorgesehen war. Das Dragonerregiment wurde dennoch 
damals wieder zu zwei Regimentern formiert, die Gardedukorps dagegen 
auf zwei Schwadronen reduziert. Übrigens gefielen dem Kurprinzen die 
1832 eingeführten Dragonerkollets nicht mehr. Einige Jahre später 
(1845) erhielten die beiden Kavallerieregimenter wieder Husarendolmans, 
nur daß für das I. (Leib-) Husarenregiment die historische hellblaue 
Farbe der ehemaligen Leibdragoner beibehalten wurde, während das 
2. Husarenregiment (Herzog von Sachsen-Meiningen) dunkelblaue Dol- 
mans anlegte. Zu gleicher Zeit wurde in Anlehnung an die von dem 
neuen preußischen König Friedrich Wilhelm IV. befohlene Neuuniformie 
rung der preußischen Armee auch die der hessischen Truppen beschlossen, 
und der Waffenrock und die Pickelhmibe verdrängten die bisherigen 
Uniformfräcke und Tschakos. 
Während der Beratungen über den Militäretat für 1840/42 hatten 
sich Wetterwolken am politischen Horizont gezeigt. Die durch den Auf 
stand Mehemed Alis aufgerollte orientalische Frage drohte einen euro 
päischen Krieg zu entfesseln. Beckers Rheinlied weckte die patriotische 
Begeisterung Alldeutschlands, und an der Westgrenze wurden militärische 
Vorbereitungen zur Abwehr gegen die ehrgeizigen Pläne des neuen fran 
zösischen Ministeriums Thiers geplant. Die Kurheffen als die „zur Ab 
wehr bereitesten Truppen" sollten sich eintretendenfalls bei Mainz kon 
zentrieren, um dort die Sachsen zur Bildung des 9. Armeekorps zu 
erwarten. Auf eine Anfrage des preußischen Gesandten antwortete der 
Kurprinz am 6. Januar 1841, daß seine Truppen in voller Bundes 
stärke bis zum 1. April kriegsbereit stehen würden, und daß nach seiner 
Auffassung nicht nur ein direkter Angriff auf Deutschland, sondern auch
	        

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