Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Abrundungsversuche. 
9 
(19000 Einwohner). Einzelne Teile, wie die ehemals Hoya-Diep- 
holzischen Ämter Uchte, Freudenberg und Auburg im Gebiete der Unter 
weser und die Hersfeldische Probstei Göllingen südlich des Kyffhäusers, 
lagen sogar recht fernab vom Hauptgebiete des Landes. Des Kurfürsten 
Bestreben, sein Staatsgebiet zu vermehren und abzurunden, war un 
erfüllt geblieben. Er war zu sparsam, und seine Agenten bei dem großen 
Schachergeschäst in Rastatt und Regensburg waren nicht geschickt genug 
gewesen, um mehr herauszuschlagen. Auch hatte der Kurfürst zu deutlich 
seinen Widerwillen gegen die Franzosen, „die Deutschland verkauften", 
wie er sich selber ausdrückte, gezeigt, und fein Bundesgenosse Preußen 
hatte ihn im Stiche gelassen. So wurden nur die durch die Mainzer 
Ämter in Althessen bestehenden Lücken ausgefüllt, die im September 
1802 besetzt und zu einem Fürstentum Fritzlar vereinigt wurden, 
ein geringer Landgewinn von etwa vier Quadratmeilen mit nicht ganz 
15000 Einwohnern. Die Stadt Volkmarsen, die damals gleichfalls 
besetzt und durch ein starkes militärisches Aufgebot eine Zeitlang gegen 
darinstädtische Ansprüche behauptet wurde, mußte bald wieder preis 
gegeben werden. Ebenso zerschlug sich im nächsten Jahr der Plan einer 
Erwerbung von Pyrmont, das der geldbedürftige Fürst von Waldeck 
zum Verkauf angeboten hatte, hauptsächlich an der richtigen Ansicht 
des Kurfürsten, daß der Erwerb eines so fernliegenden Gebietes keinen 
großen Vorteil für Hessen biete. Nach dem Beispiel Kurbayerns und 
Fulda-Oraniens, die Ende 1803 einen Angriff auf die in ihren Landen 
liegenden reichsritterschaftlichen Besitzungen machten, fühlte sich der Kur 
fürst, „um dem Elektorat nichts zu vergeben", gleichfalls veranlaßt, 
feine Hand auf die Reichsritter im Huttischen, Degenfeldischen, 
Buchischem Quartier, Schlitzischen, Riedeselschen, Grafschaft Keichen 
sowie in der Burg Friedberg zu legen. Aber die Ritter erhoben Klage 
beim Reichskammergericht und erwirkten, daß schon im Februar 1804 
ihre Besitzungen wieder freigegeben werden mußten. So rettete das 
Reich noch einmal die bedrohte Existenz seiner kleinsten Glieder, die 
dann freilich bald darauf mit Hilfe der Franzosen im Rheinbund völlig 
vernichtet wurde. 
So wenig das Areal Kurhessens ein zusammenhängendes Ganzes 
bildete, ebensowenig war das Kurfürstentum als solches ein einheitlicher 
Staat. Seine einzelnen Landesteile wurden eigentlich nur durch die in 
der Person des Kurfürsten gipfelnde Regierung zusammengehalten. Die 
einzelnen Landesteile hatten mehr oder minder getrennte Verwaltung, 
wie denn im Reichstag zu Regensburg das Fürstentum Hersfeld neben
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.