Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Theater Bildende Künste 
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Anerkennung, Schriftstellerruhm, Titel und Orden. Den von ihm be 
gründeten „Salon" llbernahin sein schaumburgischer Jugendfreund 
Friedrich Oetker, der als schöngeistiger Organisator des gesellschaftlichen 
Lebens in Cassel hervortrat und den spätern Volkstribunen noch nicht 
ahnen ließ. 
Von seiten des Hofes erfuhr das literarische Leben der Hauptstadt 
wenig Unterstützung. Der Kurprinz hatte kaum geistige Interessen und 
liebte es überhaupt nicht, wenn Beamte oder Offiziere sich schriftstellerisch 
betätigten. Sein Hauptinteresse galt dem Theater, besonders der 
Oper, an deren Spitze noch immer Louis Spohr stand, und der täg 
liche Theaterbesuch war bei ihm zu einer feststehenden Gewohnheit ge 
worden. Und doch hatte gerade das Theater in dieser Zeit eine schwere 
Krisis zu überstehen. Durch den Ausfall der an den Kurfürsten zu 
zahlenden Revenuen des Hausschatzes sah sich der Regent im Frühjahr 
1832 gezwungen, das Theater auf unbestimmte Zeit zu schließen. Ganz 
Cassel geriet in Auftegung ob des drohenden Verlustes, für den die von 
dem Kurprinzen angeordneten Sonntagskonzerte unter Spohrs Leitung 
nur einen teilweisen Ersatz boten. Zm nächsten Jahre wurde das Theater 
an die Bethmannsche Truppe aus Berlin verpachtet, bis sich der Kur 
prinz entschloß, durch Übernahme der zur Deckung der Unkosten nöügen 
Sunimen aus seiner Kasse der Krisis ein Ende zu machen. Mit den 
von Feige neuengagierien Kräften, unter denen der burleske Komiker 
Birnbaum, der Heldendarsteller Boltzmann, der Liebhaber Pauli bald 
die Lieblinge des Casfeler Publikums wurden, blühte die Schauspiel 
kunst wieder auf. und namentlich die Oper, die ihre festen Mitglieder 
und das ausgezeichnete Orchester mit Spohr an der Spitze bewahrt 
und neue Gesangsgrößen wie Biberhofer, Derska und Marie Pistor 
dazu gewonnen hatte, entfaltete bald wieder einen Glanz, der dem der 
Blütezeit unter Wilhelm II. kaum nachstand. 
Die bildenden Künste fanden ihren Mittelpunkt in der Casseler 
Akademie. Die Stiftung Landgraf Friedrichs II. führte zwar in Er 
mangelung eines eigenen Gebäudes ein unruhiges Wanderleben in 
wechselnden Mietswohnungen, aber ihre Fonds wurden doch 1832 er 
heblich vermehrt, lind neue tüchtige Lehrkräfte sorgten für den Unter 
richt der nicht unbedeutendeil Schülerzahl. Die Malklasse erhielt in dem 
Kirchditmolder Friedrich Müller einen kunstbegeisterten eifrigen Förderer, 
der die Anschauungen der Nazarener aus Italien mitbrachte und als 
Maler der heiligen Elisabeth sich einen Namen machte. Louis Grimm, 
der jüngere Brlider der beiden Germanisten, trat hauptsächlich als Ra- 
Losch, Geschichte des Kurfürstentums Hessen. 14
	        

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