Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Schöne Literatur 
Dieser Hubertus, so naunte er sich in seinen Beiträgen zu Hahn 
dorfs „Blättern für Geist und Herz", war der junge Obergerichtsreferendar 
Ernst Koch aus Singlis, „von der ganzen hessischen Poetengeneration 
bei weiteni der begabteste", wie Dingelstedt in einer seiner Natur sonst 
ziemlich fremden Bescheidenheit schrieb. Sein „Prinz Rosa Stramin" 
(1834), abgesehen von seinem dichterischen Wert, ein köstliches Porträt 
der damaligen Zeit mit ihrer politischen Kannegießerei und ihrem Bürger 
gardenenthusiasmus, hat erst viel später die verdiente allgemeine Aner 
kennung und Verbreitung gefunden. Damals schrien die Verfassungs 
männer Zetermordio über die angebliche Verhöhnung des konstitutionellen 
Sinnes in dem kleinen Büchlein, und der einst so beliebte Verfasser 
der „Vigilien" mußte als Günstling Hassenpflugs die ganze Schwere 
der sinkenden Volksgunst und Unpopularität erfahren. Auch er ging 
Hessen verloren, schleppte sein Herzeleid als Fremdenlegionär durch die 
afrikanische Wüste und die spanischen Sierren und fand schließlich mit 
Hassenpflugs Hilfe eine Zuflucht in Luxemburg, wo er als Schulmeister 
und frommer Katholik sein Leben beschloß. Neben Ernst Koch ver 
blassen die Sterne niederer Größe, die sonst am literarischen Himmel 
des damaligen Hessens standen. Viel gelesen waren die Tendenzromane 
des Hanauer Finanzkammersekretärs Heinrich König aus Fulda, des 
Verfassers der „Waldenser" und der späteren „Klubisten von Mainz". 
Als eifriger Liberaler wurde König mehrfach in die Ständekammer ge 
wählt, wo er der Tribüne durch seine schöngeistigen Redefloskeln impo 
nierte. In Cassel schloß er sich dem jungdeutschen Dichterkreis der 
„Stiftshütte" an, die in dem genialen Gymnasiallehrer Franz Dingel 
stedt ihren geistigen Führer verehrte. Mit seinen Freunden Oetker, 
König, Schädel, Scheffer und Schulz, zu denen auch noch der alte 
Graf Bentzel-Sternau kam, gab Dingelstedt 1838 das „Hessische Album 
für Literatur und Kunst" heraus, und als nach dem Eingehen des 
„Verfassungsfreundes" (1834) Gutzkows Freund Beurmann 1837 eine 
„Kurhessische Allgemeine Landeszeitung" ins Leben rief, redigierte er 
deren literarische Beilage „Die Wage" und ärgerte in seinen „Spazier 
gängen eines Casseler Poeten" die Residenzphilister. Von Cassel nach 
Fulda verbannt, dichtete Dingelstedt die „Lieder eines kosmopolitischen 
Nachtwächters", verulkte in den „Neuen Argonauten" die Kleinstädter 
und seine ehemaligen Kollegen und stellte überhaupt mit seinen Streichen 
das gesellschaftliche Leben der alten Bischofsstadt auf den Kopf, bis er 
einsah, daß die Schulmeisterei für ihn nicht taugte. Er verließ 1841 die 
„hessische Knechtschaft" und fand im Auslande, was sein Herz begehrte,
	        

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