Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Jordans Triumphzug 1832 
wurden Jordan zuteil. Nach der Landtagsauflösung reiste er nach 
Höxter, um sich in zweiter Ehe mit einer Tochter des aus Cassel 
stammenden Stadtgerichtsdirektors Paul Wigand zu verheiraten, der 
einst als „Veit Weber der jüngere" mit seinen Kriegsliedern der Deut 
schen die Zahl der Freiheitskriegsbarden vermehrt hatte. Auf der Heim 
reise wurde das neuvermählte Paar in Cassel vom Stadtrat begrüßt 
und von einer tausendköpfigen Menge in demonstrativer Weise am 
Palais des Kurprinzen vorbeigeführt. Die Bürgergarde brachte ihnen 
ein Nachtständchen. Das war aber gar nichts gegen den Empfang in 
Marburg am 13. September 1832. Ein unabsehbarer Zug von Reitern 
und Wagen kam Jordan weit entgegen und geleitete ihn zu der riesigen 
Ehrenpforte am Elisabether Tor, wo 200 Jungfrauen ihn in einem 
ellenlangen Gedicht als 
Des Vaterlandes Hort und Zierde, 
Sein Stolz, sein Schmuck, sein Ehrenkleid 
apostrophierten und mit dem Lorbeerkranz des Triumphators schmückten. 
Mit begreiflichem Selbstgefühl — „Eitelkeit hat mich, weiß Gott, nie 
beherrscht", ineinte er selber — schwelgte er später in der Erinnerung an 
diesen Triumphzug, dessen genaue Beschreibung der Nachwelt durch eine 
besondere Schrift über „Marburgs feierliche Woche" erhalten ist: „Der 
Zug durch die Stadt bis zu meiner Wohnung unter dem unaufhör 
lichen Vivatgebrüll der gedrängten Menschenmassen auf der Straße, wie 
an allen Fenstern, Löchern und selbst auf den Dächern der Häuser ge 
mahnte mich an den Einzug Christi in Jerusalem am Tage der Palmen". 
Es waren nach Jordans eigenen Worten „Ehrenbezeugungen, wie sie 
nur dem Regenten gebühren". Der Kurprinz wurde allerdings auch 
ungefähr um dieselbe Zeit bei seiner Reise nach Nenndorf in der Graf 
schaft Schaumburg sehr herzlich empfangen, aber mit dem Triumphzug 
des Tiroler Schustersohnes konnte sich dieser Empfang doch nicht messen. 
Außerdem zeigten die Schauinburger ihren praktischen konstitutionellen 
Sinn dadurch, daß sie die für den Prinzen gewundenen Girlanden 
ein paar Tage später auch noch für ben Empfang ihres Deputierten 
Werthmüller verwandten. 
Der 13. September 1832 bedeutete den Gipfelpunkt von Sylvester 
Jordans Leben. Zwei Tage vorher hatte ihn die Universität Mar 
burg wiederum zri ihrem Deputierten für die neue Ständekammer ge 
wählt. Nach dem Wortlaut der Verfassung bedurfte er zur Annahme 
der Wahl der Genehmigung der Regierung, weigerte sich aber eigen-
	        

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