Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Militärische Veränderungen 1832 
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Auch das von Hesberg vorgelegte Rekrutierungsgesetz kam jetzt 
am 10. Juli 1832 zustande und machte den Beschwerden über die lange 
Dienstzeit ein Ende. Der Dienst im stehenden Heere wurde auf vier Jahre 
nebst einem Reservejahr beschränkt, war aber in Wirklichkeit infolge der 
üblichen Beurlaubungen noch viel kürzer. Alle Klassen wurden militär 
pflichtig, nur die Rücksicht auf Förderung der Gewerbe und des Acker 
baues gab gewisse Befreiungsgründe. Die Casselaner waren nicht gerade 
erbaut über das Gesetz, da es ihnen das alte Vorrecht der Militärfreiheit 
nahm. Das System der Stellvertretung erleichterte das Opfer, veran 
laßte indessen zu gleicher Zeit, daß von dem nach preußischem Vorbild 
getroffenen Institut des Einjährigen Dienstes im allgemeinen wenig 
Gebrauch gemacht wurde. Die Landstände, die für die Bürgergarde 
schwärmten, hatten für das Militär nicht viel übrig und machten auf 
Pfeiffers Antrag vom Heeresetat bedeutende Abstriche. So mußte aber 
mals eine Reduktion des ganzen Truppenkorps eintreten, wobei die 
kostspieligen Husarenregimenter in Wegfall kamen. Die Husaren zogen 
wieder die hellblauen Kollets der Leibdragoner an und wurden zu einem 
einzigen Regiment formiert, die Gardedukorps dafür auf vier Schwa 
dronen gebracht. Die Füsilierbataillone der Jnfanterieregimenter ver 
schwanden ebenso wie die Jäger; an ihrer Stelle wurden zwei Schützen 
bataillone errichtet, so daß die ganze Infanterie aus zehn Bataillonen 
bestand. Die ganze Armee zählte nach den bundesgesetzlichen Bestimmungen 
nur noch 5679 Mann. Auf die Stimmung des Offizierskorps wirkte 
dieser antimilitaristische Sieg nicht vorteilhaft, da durch die Reduktion 
manche Offiziere überzählig wurden und die geringen Beförderungsaus 
sichten in dem kleinen Kontingent sich weiter verschlechterten. 
Während das neue Ministerium Hassenpflug durch seine legislato 
rische Tätigkeit eine Verständigung mit dem Landtag suchte, ballten sich 
außerhalb des Landes Gewitterwolken zusammen, deren Entladung auch 
in Hessen die Gegensätze wieder verschärften. Die Nachwirkungen der 
Julirevolution hatten überall in Deutschland, namentlich aber im Westen 
und Süden eine Gärung hervorgebracht, die sich nicht nur, wie in Hessen, 
in konstitutionellen Kämpfen und kleinern örtlichen Unruhen äußerte, 
sondern auch gegenüber der deutschen Bundesverfassung direkt revo 
lutionäre Formen annahm. Durch seine unglückliche Gestaltung und 
den ihn beherrschenden und lähmenden Dualismus der beiden Groß 
mächte, von denen namentlich Preußen in Deutschland sich allgemeiner 
Unbeliebtheit erfreute, konnte sich der Bund nicht die Sympathien der 
großen Menge erwerben. Die weit verbreitete Sehnsucht nach einer
	        

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