Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Eintritt in den Zollverein 1831 Wiederhold 
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Einen großen Raum in den ständischen Verhandlungen beanspruchten 
die ungelösten und durch die Aufhebung der Maut im Hanauischen 
besonders verwickelten Zollfragen. Als der Steuerdirektor Meister!in 
nach Hanau kam, um mit dem Kurfürsten darüber zu beraten, da ent 
fesselte seine Anwesenheit allein einen neuen Tumult, und er mußte 
unverrichteter Sache den Krawallern das Feld räumen. Rieß lind 
Meisterlin gingen nun nach Berlin, um mit Preußen über eine allge 
meine Bereinigung sämtlicher deutscher Staaten zu einem Zollbunde zu 
verhandeln, sie brachten aber am 25. August nur ein einseitiges Ab 
kommen mit dem preußisch-darmstädtischen Zollverein zustande. Da 
mit war der, durch den Abfall thüringischer Staaten schon vorher ge 
lockerte, einst in Cassel gegründete Mitteldeutsche Handelsverein endgültig 
gesprengt, und die Bahn für die großpreußische Zollpolitik weiter ge 
ebnet. Wilhelm II. mußte wohl oder übel seine Einwilligung zu dem 
Vertrag geben, der weder ihm noch seinem Lande sympathisch, aber 
eine politische Notwendigkeit geworden war. 
Am selben Tage, da der Zollvertrag mit Berlin abgeschlossen wurde, 
reiste wiederum eine Deputation der Stände und des Casseler Stadt 
rats nach Hanau, um den Kurfürsten zur Rückkehr nach Cassel zu 
bewegen. Ein geheimer namenloser Ausschuß der Ständeversammlung 
hatte das Mißliche der Abwesenheit Wilhelms von Cassel mehrfach er 
örtert und schließlich die Absendung dieser neuen Deputation erwirkt, 
um einen Druck auf den Kurfürsten auszuüben. Zm ganzen Lande, 
von Hanau vielleicht abgesehen, war der Wunsch rege, daß der Kur 
fürst nach Cassel zurückkehren möge, aber die Form. in der sich diese 
Wünsche regten, konnten Wilhelm II. nach anfänglichem Schwanken 
doch nicht umstimmen. Er dachte aber auch gar nicht daran, abzudanken, 
wie einige radikale Kreise ihm zumuteten. Da gelang es dem Zureden 
des Obergerichtsdirektors Wiederhold, des geistigen Führers der Depu 
tation, ihn auf den Gedanken zu bringen, den Kurprinzen zum Mit 
regenten anzunehmen und für die Zeit seiner Abwesenheit mit der 
Leitung der Regierung zu betrauen. Wiedcrhold mußte insgeheim nach 
Fulda reisen und mit dem Kurprinzen unterhandeln, der mit dem Plane 
einverstanden war und in Wilhelmsbad mit dem Vater über die letzten 
Einzelheiten sich einigte. Wilhelm II. behielt sich die Einkünfte des Haus 
schatzes vor, während sein Sohn die Bezüge der Zivilliste erhalten sollte. 
Die Stände gaben am 14. September einstimmig ihre Zustimmung zu 
einem entsprechenden Gesetz. Inzwischen hatten auch die „verantwortlichen" 
Minister von der Abmachung gehört, und Wiederhold, der kluge
	        

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