Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Vorgeschichte der hessischen Kurwürde. 
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Nie wird er und sie dies Fest vergessen. 
Ewig, wie des Phöbus goldner Schein 
Wird der Glanz des Fürstenhauses sein. — 
Der ungewöhnlich große Aufwand, den der sonst so sparsame 
Fürst in diesen Maifesttagen machte, zeigte zur Genüge, welchen großen 
Wert er der Rangerhöhung seines Hauses beilegte. Wilhelm IX., 
nunmehr Wilhelm I., stand an dem Ziel seiner Wünsche, langer heiß 
ersehnter Wünsche, die schon vor ihm die seiner Vorfahren gewesen 
waren. — 
Die Ansprüche des Hauses Hessen auf die Kurwürde waren alt 
und wohlgegründet. War doch die Kurwürde nichts anderes, als die 
rechtliche äußere Auszeichnung der verdientesten und wichtigsten Stände 
des Reiches. Die mächtigsten Vertreter der deutschen Stämme hatten das 
Recht erworben, das Reichsoberhaupt zu wählen. Nachdem Philipp 
der Großmütige fast das ganze Gebiet des hessischen Stammes unter 
der Herrschaft des Hauses Brabant vereinigt hatte, war dies Haus un 
streitig das angesehenste Glied des Reiches im westlichen Mitteldeutschland 
geworden, dem unter normaler Entwicklung die Aufnahme in den Kreis 
der Kurfürsten ohne Zweifel bald zuteil geworden wäre. Die unselige 
Teilung des Landes aber zersplitterte die Kräfte des hessischen Hauses 
und zerstörte für lange Zeit alle derartigen Hoffnungen. Erst als Hessen- 
Cassel eine Militärmacht geworden war, deren Ansehen weit über das 
ihrem territorialem Umfang entsprechende Maß hinauswuchs, da wachten 
auch unter dem Landgrafen Carl die alten Hoffnungen wieder auf. 
Seinem Sohne Wilhelm VIII. wurde zum ersten Male vom Kaiser 
Carl VII. die Kurwürde feierlich versprochen, doch konnte weder er, 
noch sein Sohn mehr erreichen, als daß diese Versprechungen gelegent 
lich wiederholt und durch Zusicherungen der evangelischen Mitglieder des 
Kurkollegiums unterstützt wurden. Seitdem Kursachsen katholisch ge 
worden war, gab es nur noch zwei evangelische Kurfürsten im Reiche, 
Kurbrandenburg und Kurbraunschweig, die aber als Könige von Preußen 
und England schon längst mehr europäische, als deutsche Politik trieben. 
Auf den Anschluß an diese beiden Mächte war Hessen-Cassel angewiesen, 
und im Verlaufe des 18. Jahrhunderts hatte die Verbindung mit ihnen sich 
immer enger gestaltet, selbst in der Zeit, da mit Landgraf Friedrich II. 
ein katholischer Fürst in Cassel regierte. Unter ihm hatten aber die 
Aussichten auf die Kurwürde keinen Fortschritt gemacht, und auch seine 
Hoffnung auf die polnische Königskrone war nach kurzem Aufflackern 
bald wieder in nichts versunken. Sein Sohn und Nachfolger Wilhelm IX.,
	        

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