Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Bauten Wilhelms II. 
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Helms I. Den Monumentalbau der Katlenburg ließ er (man weiß nicht recht 
aus welchem Grunde) bald einstellen und zur monströsen Ruine werden. 
Statt des alten Iuffow mußte ihm sein Hofbaumeister Bromeis ein 
kleineres, ziemlich nüchternes Schloß, das sogenannte Rote Palais am 
Friedrichsplatz erbauen, das mit dem von ihm seit 1814 bewohnten ehe 
maligen landständischen Hause Du Rys verbunden und unter Mitwirkung 
Christian Ruhls glänzend eingerichtet seit 1826 die kurfürstliche Residenz 
bildete. Iussow starb 1825, nachdem Bromeis den Bau seines letzten 
Werkes, das römische Auetor am Friedrichsplatz, zur Ausführung gebracht 
hatte. Durch den Neubau des Hofverwaltungsgebäudes (der späteren 
Kriegsschule) wurde 1828 die Nordostfront des Friedrichsplatzes geschlossen. 
Stadterweiterungen im Westen und Osten der Residenz durch die Wilhelms 
straße und Artilleriestraße begonnen, gelangten erst später zur Vollendung, 
ebenso wie die 1830 angefangene neue Artilleriekaserne. Auf Wilhelms 
höhe erbaute Bromeis das neue große Gasthaus. Der ebenso originelle wie 
geniale alte Steinhofer brachte dort mit seinem letzten großartigen Werke, 
dem Neuen Wasserfall, die weltberühmten Wasserkünste zum Abschluß. 
Wie sein Vater, so gedachte auch Wilhelm II. sich auf Wilhelmshöhe, 
wo er gerne weilte, die letzte Ruhestätte zu erbauen, aber der für ihn 
charakteristische Plan zu einem ungeheuern Mausoleum — „im Sinne 
eines römischen Feldherrn, eines Soldaten, in den erhabenen Formen 
einer reinen Baukunst, Ruhe mit der den Gebräuchen des Altertums 
würdigen einfachen Pracht, mit einer innern Halle nach der Form der 
Kapelle des Doms der Invaliden, Licht von oben, äußere Bauart nach 
dem Grabmal des Bespasian" — kam glücklicherweise nicht zur Aus 
führung. Das Wilhelmshöher Schloß erfuhr 1829 leider keine Ver 
schönerung durch den massiven Ausbau der von Ierome begonnenen 
Zwischengalerien. Aus der gefälligen Dreiteilung erwuchs dadurch ein 
einziger ungefüger Kolossalbau. Dabei ließ Wilhelm II. die von seinem 
Vater geschaffene und im nördlichen Zwischenbau aufgestellte Ahnengalerie 
in die Schloßkuppel versetzen, womit zugleich der Plan Wilhelms I., 
die Ahnengalerie durch die Bilder der Landgräfinnen zu vervollständigen, 
endgültig abgetan erschien. Ahnenstolz ging ja dem Kurfürsten gänzlich ab. 
Beging er doch die unglaubliche Pietätlosigkeit, die kostümierten historischen 
Wachsmasken der hessischen Landgrafen im Museum an Trödeljuden zu ver 
kaufen.') Für die Innendekoration der kurfürstlichen Schlösser wurde 1827 
') Die Auktion fand am 12. Dezember 1825 im Museum statt. Philipp der 
Großmütige wurde für 12, Wilhelm VIII. für 26 Taler verkauft. Köpfe und Hände 
mußten abgeliefert werden zum Einschmelzen.
	        

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