Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Ministerium Organisntionsedikt 1821 
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auf bureaukratischem Wege durch landesherrliche Verfügung. Wilhelm!!, 
hatte die ministeriellen Ratgeber seines Vaters Schmerfeld, Schmincke 
und Witz leben beibehalten. Während aber bisher alle Regierungs 
sachen von den Ministern im Geheimen Ratskollegium gemeinschaftlich 
und kollegialisch behandelt worden waren, fand jetzt eine völlige Tren 
nung der Geschäftskreise nach den einzelnen Departements der Justiz, 
der Finanzen, des Innern nnd des Auswärtigen statt. In dem neu 
geschaffenen Ministerium des Innern, das Schmerfeld (f 1823) zugleich 
mit dem Justizministerium verwaltete, gewann der neu ernannte vor 
tragende Rat, bisherige Oberappellationsrat Friedrich Kr afft besondere 
Bedeutung und Einfluß. Er war der eigentliche Schöpfer des seinerzeit 
viel bewunderten Organisationsedikts, das Kurfürst Wilhelm drei 
Tage nach der Rückkehr von seiner Reise durch das Hessenland am 
29. Juni 1821 unterschrieb. Nach preußischem Muster entworfen ent 
hielt es französische und ehemals westfälische Verwaltungsgrundsätze in 
buntem Gemenge und hatte nicht nur die beabsichtigte „Umbildung der 
bisherigen Verwaltung", sondern eine geradezu radikale Umwälzung 
aller Verhältnisse zur Folge. Während bisher in den einzelnen Land 
schaften Kurhessens natürliche Verschiedenheiten der Verwaltung bestanden, 
die, auf historischer Grundlage beruhend, den partikularen Rechtsverhält 
nissen und Bedürfnissen der Bevölkerung entsprachen, sollte nun alles 
über einen Kamm geschoren, alles nach einer Schablone behandelt werden. 
Die alte geschichtliche Einteilung des Landes nach Fürstentümern, Graf 
schaften und Herrschaften verschwand, statt dessen wurden vier Verwal 
tungsbezirke mit Regierungskollegien gebildet, die in ungeschickter Nach 
ahmung preußischen Vorbildes den häßlichen Namen „Provinzen" er 
hielten. Im Königreich Westfalen hatte man wenigstens die Departements 
hinsichtlich der Größe und Bevölkerungsziffer ungefähr gleich groß ge 
staltet. Bei der neuen hessischen Provinzeinteilung war aber die Provinz 
Niederhessen (mit Schaumburg) fast so groß wie die drei übrigen Pro 
vinzen Oberhessen (mit Ziegenhain), Fulda (mit Schmalkalden) und 
Hanau zusammen genommen. Übrigens war schon in Niederheffcn die 
beabsichtigte Gleichförmigkeit der Verwaltung nicht unerheblich dadurch 
gestört, daß ein großer Teil der Provinz, der Rest der Rotenburgischen 
Ouart, seine Reservatrechte zum Teil behielt. Besser war schon die Unter 
einteilung des Landes in 22 Kreise (Niederhessen zehn, die übrigen 
Provinzen je vier Kreise), obwohl auch hierbei vielfach die alten Ämter 
unnötigerweise zerrissen und umgebildet wurden. Die Trennung der Justiz 
und der verschiedenartigen Zweige der Verwaltung (Polizei, Finanzen,
	        

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