Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Wilhelm II. als Kurprinz 
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Luxus und Verschwendung neigende" Paar nicht zu seiner äußerst 
regelmäßigen und sparsamen Hofhaltung paßte, wurde ihm bereits nach 
wenigen Wochen Hanau zur Residenz angewiesen. Das untätige Leben 
daselbst konnte keinen günstigen Einfluß auf den jungen Erbprinzen 
ausüben. Vom Vater sehr knapp gehalten, fing er an Schulden Zu 
machen, zu deren Regelung der Landgraf sich nur schwer verstehen 
konnte. Es ist schwer zu begreifen, daß Wilhelm IX. nicht die Gefahr 
erkannte, die für die Charakterentwicklung des Erbprinzen in der völligen 
Fernhaltung von den Staatsgeschäften liegen mußte. Bei der Früh 
jahrsrevue von 1800 durfte der Prinz zum ersten Male ein militärisches 
Kommando führen, wobei der Vater ihn selbst in dies „für den 
künftigen Herrscher von Hessen so wichtige melier" einführte. Ein 
hessisches Regiment und den Rang eines Generalleutnants erhielt er 
erst 1805, um ihn zu beschäftigen und ihn zu verhindern, preußische 
Uniform zu tragen; denn sein Schwager, der König Friedrich Wilhelm III., 
hatte ihn schon vorher zum preußischen Generalleutnant gemacht. Daß 
der Prinz diese in der Geschichte der Thronfolger allerdings nicht 
seltene Zurücksetzung bitter und kränkend empfand, ist selbstverständlich, 
und das öftere Eingreifen des Vaters in die unglücklichen Eheverhältnisse 
des Sohnes trug ebenfalls nicht zur Milderung der Gegensätze bei. 
Im Jahre 1806 war der Kurprinz in Cassel und suchte vergeblich den 
Vater zum Kriege und offenem Anschluß an Preußen zu bewegen. Es 
kam zwischen beiden zu direktem Bruch, infolgedessen der Kurprinz sich 
zur preußischen Armee des Fürsten Hohenlohe begab und erst nach Jena 
reumütig zurückkehrte. Beim Einbruch Mortiers floh er mit dem 
Vater nach Schleswig, und als der Kurfürst 1808 nach Prag ging, 
vereinigte er sich wieder mit seiner Gemahlin, die am prerißischen Hofe 
eine Zufluchtsstätte gefunden hatte. Unaufhörlich Pläne zur Befreiung 
des Vaterlandes schmiedend, mußte er noch vier Jahre das Brot der 
Verbannung essen, bis er von dem Schlachtfelde von Leipzig in die 
befreite Heimat zurückkehren und die Hessen wieder mit ihrem alten 
Namen begrüßen konnte. Als Führer des hessischen Armeekorps hatte 
er dann 1814 endlich die langersehnte Gelegenheit, in selbständiger 
Stellung dein Vaterlande dienen zu können, aber als nach der Rück 
kehr aus dem Felde der Kurfürst den nur für die Kriegszeit über 
tragenen Oberbefehl des Kurprinzen nicht mehr anerkennen wollte, da 
kam es zu erneuter starker Verstimmung zwischen Vater und Sohn, die 
durch die Zurücksetzung des Kurprinzen beim zweiten Zuge nach Frank 
reich 1815 neue Nahrung fand. Die wachsende Schuldenlast des im
	        

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