Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Die Regierungszeit Kurfürst Wilhelms II. 
er neue Kurfürst war kein Jüngling mehr, als er die Regierung 
Btefaü antrat. Mit 44 Jahren war er sogar noch zwei Jahre älter, 
als sein Vater beim Regierungsantritt in Hessen gewesen war. Aber 
während dieser damals schon eine zwanzigjährige ausgezeichnete Vor 
schule als Grafregent von Hanau genossen hatte, mangelte es dem 
Sohne durchaus an einer entsprechenden Vorbereitung zu seinem 
Regentenamte. Wilhelm II. war als jüngstes Kind des damaligen 
regierenden Grafen von Hanau und seiner Gemahlin Caroline von 
Dänemark am 28. Juli 1777 zu Philippsruhe geboren und drei Jahre 
später durch den Tod seines älteren Bruders Friedrich Thronfolger 
geworden. Sein Vater hat den Verlust des heißgeliebten ältesten 
Sohnes eigentlich nie recht verwinden und nicht die ganze ihin gezollte 
Liebe auf den jüngeren Prinzen übertragen können, der früh ansinge 
in Neigungen und Anschauungen andere Wege zu gehen. Schon als 
der fünfzehnjährige 1792 von seiner Erziehungsreise aus der Schweiz 
zurückkehrte, fand der Vater ihn äikkerernent maniere und nicht 
militärisch genug gekleidet, was in seinen Augen ein großes Vergehen 
für einen Prinzen war. Zu seiner wissenschaftlichen Ausbildung bezog 
Prinz Wilhelm 1789 die Universität Marburg und 1793 die Universität 
Leipzig. Bei einem Besuch in Berlin im Oktober 1794 lernte König 
Friedrich Wilhelm H. den schönen, frischen Jüngling schätzen und erkor 
ihn zum künftigen Gemahl seiner jüngsten Tochter Auguste. Richt 
ohne Widerstreben (vgl. Seite 7) gab Landgraf Wilhelm IX., der 
damals eine schwedische Schwiegertochter vorgezogen Hütte, seine Zu 
stimmung zu diesem politischen Heiratsprojekt, das am 13. Februar 1797 
durch die prunkvolle Hochzeit des noch sehr jugendlichen Paares (der 
Bräutigam war 19, die Braut noch nicht 17 Jahre alt) zu Berlin 
seinen Abschluß fand. Am 21. März erfolgte der feierliche Einzug der 
Neuvermählten in Cassel. Da aber der Landgraf fand, daß das „zp
	        

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