Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Charakter Wilhelms I. 
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nicht immer wandellose „fermete“, noch auch die seinem Nachfolger 
empfohlene „Klugheit nicht unverrückten Planes" vor Mißerfolgen schützen 
konnte, aber der Ruhm deutscher Gesinnung in einer undeutschen Welt 
immer bleiben wird. Rührend war seine Liebe zu deut Lande seiner 
Väter, nach dem er sich sieben Jahre in Sehnsucht verzehrte, und das 
er so genau kannte, wie wenige seines Geschlechts. Sein Testament 
ist das hohe Lied der Selbstherrschaft. „Jede Handlung, welcher der 
Regent selbst beiwohnt, jedes Geschäft, welches er selbst verrichtet, alles 
was er selbst sieht, selbst hört und verordnet, wird eben so manchen 
Beweis seiner Würdigkeit, Selbstherrscher genannt zu werden, abgeben. 
Heil jedem unserer Nachfolger, von welchem man am Ende seiner Lauf 
bahn sagen wird: Er regierte selbst und regierte gut." 
Wilhelms Anschauungen vom fürstlichen Beruf und von der Macht 
fülle eines deutschen Souveräns vertrugen sich nicht mehr mit den Ideen 
des 19. Jahrhunderts, und gegen das Ende seiner Regierung kam es 
ihm auch mehr und mehr zum Bewußtsein, daß er in eine Zeit nicht 
mehr hineinpaßte, die er nicht mehr verstand, wie sie ihn nicht verstehen 
konnte. So schloß er Ende 1818 die mit großer Liebe eigenhändig ge 
führten Denkwürdigkeiten seines Lebens mit der Begründung ab, daß 
er sich nicht inchr imstande fühle, sie „inmitten einer täglich verdrehter 
werdenden Welt" weiter fortzusetzen. Dagegen kam ihm nie der doch 
naheliegende Gedanke, der jungen Generation freiwillig das Feld zu 
räumen. Es wäre besser für seinen Sohn, für sein Land und auch für 
seinen eigenen Nachruhm gewesen.
	        

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