Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Bacher Kongreß 1818 Karlsbader Beschlüsse 
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maligen Rhcinbundskönigen von Napoleons Gnaden gleichgestellt zu 
werden und die Königswürde für fein Haus zu erringen. Aber die 
Tätigkeit seiner Gesandten, des Geheimen Legationsrats v. Karcher und 
Kriegsrats Starckloff, die im Oktober auf dem Kongreß zu Aachen 
zugleich für die Königswürde und den Zusammenschluß der hessischen 
Militärkonlingente beider Linien wirken sollten, blieb erfolglos. Metternich 
wollte nichts von den Ansprüchen des Kurfürsten wissen, und sein Votum 
gab den Ausschlag in Aachen. Am 21. Oktober 1818 überbrachte der 
österreichische Gesandte Vacquant-Geozelles den ablehnenden Bescheid, 
und so mußte der Kurfürst seinen mehrmals genährten ehrgeizigen Traum 
von einer hessischen Königskrone endgültig begraben. 
An den durch die Ermordung Kotzebues veranlaßten Karlsbader 
Konferenzen nahm Kurhessen nicht offiziell teil, wenn Metternich auch 
den Gesandten v. Münchhausen zu den letzten Sitzungen einlud. Die 
dort gefaßten Beschlüsse entsprachen auch nicht ganz den Anschauungen 
des Kurfürsten, wie er selbst erklärte: „1. weil die Polizei meine eigene 
Sache in meinem Lande ist, 2. weil es in meinem Lande keine Hoch 
verräter gibt, 3. weil ich voraussehe, daß nur Verdächtigungen und 
Denunziationen daraus hervorgehen würden, welches ich verabscheue." 
Die durch den Bund bestimmte Einsetzung einer Zentraluntersuchungs 
kommission in Mainz mußte er freilich seinem Volke bekanntgeben, er 
klärte dabei aber zu gleicher Zeit vor aller Welt, „daß ich bisher die 
gegründetste Ursache hatte, mit dem guten Geiste, den gehorsamen und 
ruhigen Gesinnungen meiner Hessen zufrieden zu sein und stolz darauf 
bin, von der Vorsehung zur Regierung über ein Volk berufen zu sein, 
welches von jeher durch Treue, Gesetzlichkeit und bürgerliche Ordnung 
sich auszeichnete." Es gab gewiß in Hessen viele Unzufriedene, und zu 
der weite Kreise in Deutschland beherrschenden Enttäuschung kamen 
hier noch manche besondere Klagen, die nicht unbegründet waren, 
aber revolutionäre Neigungen hatten keinen Boden im Lande. Das 
politische Leben in Kurhessen war recht dürftig entwickelt, dank der 
prophylaktischen Methode des Kurfürsten. Seitdem die Stände heim 
geschickt waren, kamen Äußerungen der Unzufriedenheit nicht mehr an 
die Öffentlichkeit, dafür hatte die an sich schon dürftige, von der Zensur 
sorgsam überwachte Tagespresse in Hessen keinen Raum. Allerdings 
brachten dafür auswärtige Blätter um so öfter Schauernachrichten aus 
den, Lande des „Siebenschläfers", die z. T. aus dem literarischen Haupt 
quartier der Domänenkäufer herrührten. Leute, die in dem Verdacht 
standen, dazu zu gehören — und das waren alle französisch-westfälischer
	        

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