Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

DomänenkSufer Petition der Offiziere 1816 
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hatten. So war auch anfangs die allgemeine Volksstimmung gegen 
die Domänenkäufer gewesen, die KotzebmO) nach der Flucht Jeromes 
den Trauerchoral anstimmen ließ: 
Ach was foll'n wir Sünder machen! 
Ach was foll'n wir fangen an! 
Übels Han wir viel getan. 
Nichts als nnr geftohlne Sachen 
Kauften wir um halben Preis. 
Hilf uns Herr! Kyrieleis. 
Erft später schlug die Stimmung um. 
Der Kurfürst, der sich auch hier in seinem Rechte fühlte, hätte wohl 
klüger getan, wenn er die Domänenkäufer schonender behandelt hätte, 
das lag aber, zumal es um den Geldpunkt ging, nicht in seiner Art, 
und die schroffe Opposition steigerte noch seinen Widerstand gegen ihre 
Ansprüche. Übrigens erhielten mit der Zeit die meisten Käufer die Güter 
in Erbleihe, wobei der Erbzins sehr mäßig und nur eine Formsache war. 
Rur die Ausländer, Zeromes Günstlinge und einige Hauptopponenten, 
die als Anhänger der westfälischen Herrschaft galten, blieben ganz ohne 
Entschädigung. Die Angelegenheit, durch die Agitation Schreibers inimer 
wieder aufgerührt, zog sich bis in die Negierungszeit des Enkels Wil 
helms I. hin, wo sie schließlich durch einen Vergleich mit den meisten 
Petenten zu einem Abschluß kam. 
Viel Verdruß bereitete dem Kurfürsten noch eine andere Petition, 
die den Ständen durch die hessischen Subalternoffiziere um Er 
höhung ihrer Bezüge zuging. Die in allen Zweigen der Verwaltung 
herrschende Sparsamkeit hatte sich auch auf das Militär erstreckt, das 
sowieso durch Wiedereinführung des Gamaschendienstes mit Zopf und 
Puder seit dem Ende der Feldzüge und durch die Reduktion des Militärs 
auf einen bescheidenen Friedensstand nicht sonderlich erbaut war. Die 
Kapitäne und Leutnants befanden sich bei einer geringen Gage von 
15 bis 21 Talem monatlich in einer wirklichen Notlage. Der Kurfürst 
sah das schließlich auch ein und bewilligte den Offizieren am Jahrestag 
der Leipziger Schlacht eine Zulage, aber vorher mußten ihre angeblichen 
Rädelsführer (Kapitän Huth und Leutnant v. Rotsmann) ihren Verstoß 
gegen die Kriegsartikel büßen und wurden „andern zum warnenden 
l ) Falls Kotzebur, wie ma» anninimt, jener Friedrich Germanus ist, der 1813 
den „Abschied aus Gaffel" in einem „rührenden Singspiel" persiflierte. Andere 
wollen neuerdings Feromes ehemaligen Finanzminister v. Bülow in dem Autor 
erkennen. Vgl. Zimmermann in Zeitschrift des Harzvereins, 24.
	        

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