Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Ministerium Prager Musikanten 
87 
Charakters bildete. Sieben Jahre lang hatte er sehnsüchtig auf die Zeit 
gewartet, wo er sein geliebtes Hessen wieder von den Schlacken des fran 
zösischen Revolutionsgeistes befreien konnte, und diese Zeit war jetzt ge 
kommen. Die paar Jahre der Fremdherrschaft waren auch nicht lang 
genug, uni gewissermaßen ein Verjährungsrecht schaffen zu können. An 
dererseits waren auch die Folgen der Zurückdatierung der Beamtenschaft 
lange nicht so erschütternd und allgemein, wie die darüber noch heute 
umlaufenden mehr oder minder gut erfundenen Anekdoten mit ihren 
fabelhaften und lächerlichen Übertreibungen es erscheinen lassen. Die 
Gehalte der Staatsdiener erfuhren freilich durchweg eine starke Kürzung 
gegen die ivestfälische Zeit, was aber nicht allein der bekannten Spar 
samkeit des Kurfürsten, sondern der materiellen Lage des von den Fran 
zosen und durch die Kriegszeiten ausgesogenen Landes entsprach. 
Das wiedereingerichtete Staatsministerium bestand aus dem Re 
gierungspräsidenten Georg v. Schmerfeld, einem der Getreuen aus 
der Prager Zeit, und dem Oberrentkammerpräsidenten Friedrich Ludwig 
v. Witz leben, der früher Leiter des hessischen, aber auch des west 
fälischen Forstwesens gewesen war, was den Kurfürsten nicht abhielt, 
ihn in diese Vertrauensstellung zu berufen. Buderus (1806 wegen 
seiner Verdienste um die Rettung des Schatzes als v. Carlshausen 
geadelt) *) und S ch m i n ck e, die die Berater des Kurfürsten nament 
lich in seinen weitverzweigten Finanzangelegenheiten waren, gehörten 
dagegen zu den „Prager Musikanten", wie der Volkswitz die im all 
gemeinen nicht sehr beliebten Exilsgefährten des Fürsten nannte. Ein 
dritter Staatsminister, Graf Keller, früher in preußischen Diensten, 
dann Minister des Großherzogs von Frankfurt, war auf Empfehlung 
des preußischen Gesandten angenonimen worden. Er war meist außer 
halb Cassels als diplomatischer Vertreter des Kurfürsten bei den ver 
bündeten Mächten erst iin Hauptquartier, später in Wien. Sein Lega 
tionssekretär war Jakob Grimm, der große Sohn des Hessenlandes, 
dem seine Stellung als Bibliothekar Jeromes nicht die Gunst des Kur 
fürsten verscherzt hatte. Rach dem Wiener Kongreß trat Graf Keller 
wieder in preußische Dienste. 
Gleich nach der Rückkehr der hessischen Truppen aus dem Felde 
gab der Kurfürst den Befehl, die Regimenter bis auf schwache Stämme 
zu entlassen. Die Mannschaften wurden mit Montierung und Seiten- 
st Als Handwerksbursche verkleidet hatte er sich bis nach Schleswig durch 
geschlagen, dann .aber später in Hanau gelebt.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.