Full text: Des Königreichs Neapel Fall

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rischer Herr, namens Blumenthul, welcher fließend 
französisch sprach, erzählte mir, daß er 18 Monate 
hier zubringe, ohne je befragt, geschweige denn ver 
hört zu sein. Aus den Reden um sich herum hatte 
er entnommen, daß man ihn beargwöhnte, an irgend 
welchen .revolutionären' Umtrieben beteiligt zu sein. 
Als ich seine Zelle verließ, umringten mich und meinen 
Begleiter andere Gefangene, welche beständig in Zta- 
lienisch riefen: .Warum sind wir im Gefängnis?' — 
.Warum werden wir nicht verhört?"' 
Der Lord erfährt dann vom Gefängnisdirektor 
selbst, der das System beklagt, aber gehorchen muß. 
daß 83 Personen unter seiner Obhut sich befänden, 
welche niemals verhört worden seien. Unter diesen 
arme, alte, kränkliche Leute, welche nie und nimmer 
eine Gefahr für die neue Regierung bilden konnten. 
Lord Lennox fährt fort: „Run muß ich zugeben, 
daß während meines Besuches im Gefängnis so ein 
kleines Mißbehagen in meiner Seele aufzusteigen be 
gann und ich leise Zweifel über den Zustand der Frei 
heit und Gerechtigkeit, von dem ich so viel gehört 
hatte, bekam. Das Ergebnis war ein Ersuchen an 
den General La Marmora, die anderen Gefängnisse 
Neapels besichtigen zu dürfen. Zch erhielt die Ge 
nehmigung. Das zweite Gefängnis hieß ,Die Con- 
cordia': es ist hauptsächlich mit wegen Schulden Ver 
urteilten besetzt. Zch fand die Gefangenen auf und
	        

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