Full text: Das Wesen der Tuberkulose, ihre Entstehung, Verhütung und Heilung

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I. Das Wesen der Tuberkolose. 
Der Tuberkel- 
bazillus. 
Tuberkulose ist der Sammelname für alles, was an krank- 
haften Veränderungen unter Mitwirkung der Tuberkelbazillen 
entsteht. Der Tuberkelbazillus, im Jahre 1882 von unserm 
deutschen Landsmann Robert Koch entdeckt, ist ein winzig kleiner Spaltpilz, 
der dem menschlichen Auge erst durch eine besondere Färbung und eine 
etwa 500 fache Vergrößerung sichtbar gemacht werden kann. In dem 
menschlichen Körper ruft er am Orte seiner Niederlassung Krankheits 
erscheinungen hervor, schwächt dabei aber gleichzeitig den ganzen Organismus 
und bringt dessen Lebenskräfte zum Schwinden. Der Tuberkelbazillns ist 
sehr verbreitet, wenn er auch nicht überall in der Außenwelt vorkommt. 
Seine Verbreitung erfolgt in der Hauptsache durch den schwind- 
süchtigen Menschen selbst, der unter Umstünden in 24 Stunden mehrere 
Milliarden Bazillen im Lungenauswurf aushusten kann. Weniger bedeutungs- 
voll ist die Verbreitung durch tuberkulöse Tiere, insbesondere durch Milch, 
Butter, Käse, Fleisch von perlsüchtigen Rindern. 
Die ausgestreuten Tuberkelbazillen können auf verschiedenen Wegen, 
die wir später kennen lernen werden, in den Menschen hineingelangen und 
sich in allen Organen ansiedeln. Wir unterscheiden daher eine Lungen-, Kehl 
kopf-, Darm-, Drüsen-, Knochen-, Gelenk-, Haut-, Nieren-, Gehirntuberknlose 
und andere mehr. 
Lungen- 
tuberkulose. 
Die weitaus häusigste Form ist die Lungentuberkulose, die 
eine etwas eingehendere Besprechung verdient. Sie  
entsteht in der Regel zuerst in den Lungenspitzen dadurch, daß 
die Tuberkelbazillen entweder direkt eingeatmet werden oder indirekt von 
den Rachenmandeln oder Lungendrüsen aus aus dem Wege des Lymphstromes 
in die Lungenspitzen hineingelangen. Von den Lungenspitzen aus erfolgt 
dann die Weiterverbreitung der Bazillen auf dem Lymph- oder Blutwege 
in die übrigen Lungenabschnitte, überall unter den Erscheinungen der Ent- 
zündung, Wucherung und Eiterung in dem befallenen Lungengewebe. 
Die eingetretene Erkrankung macht sich in der Regel durch Husten, 
Auswurf, Abmagerung, Nachtschweiße, Bruststiche und Kurzatmigkeit beim 
Laufen und Treppensteigen bemerkbar. Doch können in der allerersten Zeit 
diese Erscheinungen noch fehlen. Oft lassen Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden, 
blasses Aussehen, Schwäche des Körpers und Unlust zur Arbeit an alle 
möglichen Gesundheitsstörungen denken, bis eines Tages ohne jede äußere 
Veranlassung, oft mitten in der Nacht oder am frühen Morgen, eine Lungen- 
blutung eintritt. Sie verrät sich durch Aushusten von hellrotem, etwas 
schaumigen oder dunklerem Blut in größerer oder geringerer Menge; auch 
nur blutig verfärbter Lungenauswurf ist ein ernstes Zeichen, das unter 
allen Umständen, auch bei gutem Allgemeinbefinden und Fehlen aller 
Beschwerden, zum Arzte führen sollte. Stammt das ausgehustete oder aus 
gespuckte Blut aus der Lunge, so liegt in den allermeisten Fällen eine
	        

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