Full text: Das Wesen der Tuberkulose, ihre Entstehung, Verhütung und Heilung

31 
Raum der Benutzung, schafft dafür aber den gesunden Mitbewohnern 
das beruhigende Gefühl, daß man von ganz gefährlichen Nachbarn befreit 
ist, die das teuerste Gut, die Gesundheit, bedrohen. 
Nach Todesfällen infolge von Lungen- und Kehlkopftuberkulose ist 
die Wohnungs-Desinfektion — in Preußen durch Gesetz vom 28. Aug. 
1906 — vorgeschrieben; sie muß also geduldet und unter Kontrolle der 
Gesundheitspolizei nach den Vorschriften des Gesetzes durchgeführt werden. 
Das geschieht durch den von der Stadt oder dem Kreise angestellten amtlichen 
Desinfektor. Die Schlußdesinfektion bezweckt die Abtötung aller in den 
Räumen, auf Betten, Decken und Kleidern der Verstorbenen verbreiteten 
Tuberkelbazillen, die monatelang ansteckungssähig bleiben, um dadurch weitere 
Tuberkulosefälle in der Familie zu verhüten. 
Desinfektion bei 
Wohnungswechsel. 
 Nach dem gesagten wird auch die Vorsicht berechtigt 
erscheinen, daß man niemals in eine Wohnung einzieht, 
die von einem Schwindsüchtigen bewohnt war und nach 
dessen Wegzug oder Tod nicht entseucht worden ist. Das Zimmer, in 
welchem der Schwindsüchtige geschlafen und sich am meisten aufgehalten hat 
oder bettlägerig gewesen und gestorben ist, ist mittels Formalin zu desinfi- 
zieren. Außerdem ist es wie alle übrigen Räume einer gründlichen Durch- 
lüftung und Reinigung mit Scheuerbürste, Seife und Roh-Lysoformlösung 
zu unterziehen oder durch einen neuen Fußboden- und Wandanstrich von 
Ansteckungsstoffen zu befreien. 
Wer darauf beim Mieten einer Wohnung bzw. vor dem Einziehen in 
die gemietete Wohnung nicht achtet, der begeht eine sich unter Umständen 
schwer rächende Nachlässigkeit. Wer aber daran denkt und es beherzigt, daß 
selbst die größte und schönste Wohnung die Insassen gefährdet, wenn sie 
durch den Tuberkuloseerreger verseucht ist, dem ist die Möglichkeit geboten, 
die Wohnräume bazillenfrei machen zu lassen. Das gilt für die Miets- 
wohnungen im allgemeinen und für die Dienstwohnungen im besonderen. 
In ihnen sollen ja die Eisenbahner nicht nur gute und billige, sondern auch 
gesunde Wohnungen finden. Die Kosten für die beim Wechsel einer staats- 
eigenen Dienst- oder Mietwohnung erforderliche Entseuchung sind nach einem 
Ministerialerlaß vom 18. Juli 1918 auf die Staatskasse zu übernehmen. 
In noch weitergehendem Maße fördert ein früherer Ministerialerlaß 
vom 27. Juni 1905 die Wohnungsdesinfektion bei Tuberkulose und Wohnungs- 
wechsel in Eisenbahnerfamilien dadurch, daß er die Eisenbahndirektionen 
anregte, geeignete Leute als Desinfektoren für den Direktionsbezirk auszu- 
bilden und mit Formalindesinfektionsapparaten auszustatten. Diese Eisen- 
bahn-Desinfektoren treten in Tätigkeit, wenn die Wohnungsdesinfektion wegen 
der Gefahr der Ansteckung mit Tuberkulose bahnärztlicherseits angeordnet 
oder von dem Wohnungsinhaber gewünscht wird. Den beteiligten Bediensteten 
entstehen dadurch keine Kosten.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.