Full text: Das Wesen der Tuberkulose, ihre Entstehung, Verhütung und Heilung

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Zunächst ist zuzugeben, daß unter gewissen Umständen die Vorteile der 
Ehe größer sein können als die Nachteile; so z. B. für leichtlebige Männer 
in günstigen Verhältnissen, vorausgesetzt, daß die Gefahr der Ansteckung wegen 
Fehlens von bazillenhaltigem Auswurf nicht vorliegt. Solche Kranken 
werden in der Ehe ruhiger und solider; und damit ist für sie viel 
gewonnen. 
Ist der tuberkulöse Luugenprozeß abgeheilt und zwei Jahre lang 
abgeheilt geblieben, so stehen der Erteilung der Heiratserlaubnis im 
allgemeinen keine Bedenken entgegen. Auch dann, wenn zwar ein noch 
nachweisbarer, aber jahrelang zum Stillstand gekommener Krankheitsherd 
vorliegt, wird der Arzt eine beabsichtigte Heirat zugeben können, falls der 
Krankheitsträger ein männliches Individuum in gutem Allgemeinbefinden 
und Kräftezustand, ungestörter Arbeitsfähigkeit und sicherer Lebensstellung 
ist. Handelt es sich unter den gleichen Bedingungen aber um eine weibliche 
Kranke, so wird man von der Ehe abraten und dies mit besonderem Nach- 
druck dann, wenn außer der Lunge der Kehlkopf oder irgend ein anderes 
Organ tuberkulös erkrankt ist, sei es auch nur in leichtester Form. 
In allen frischen Fällen von Tuberkulose ist beiden Geschlechtern 
das Eingehen der Ehe unter allen Umständen zu widerraten, weil man 
gar nicht weiß und voraussagen kann, wie die Tuberkulose im Einzelfall 
verlaufen wird. 
Tuberkulöse 
Ehegatten. 
Erkrankt während der Ehe der eine Teil an Tuberkulose, 
so geht er sofort zum Arzt und befolge dessen Ratschläge. 
Wird eine Kur außerhalb der eigenen Häuslichkeit notwendig, 
dann ist die Trennung bis zur Genesung des Kranken für beide Teile das 
Beste; dauerndes Zusammensein, häufige Besuche der Ehegatten am Kurort 
usw. stören nur das Heilverfahren. 
Tritt bei einer tuberkulösen Ehefrau Schwangerschaft ein, so ziehe 
man den Arzt zu Rate, damit bei Zeiten entschieden wird, was im Interesse 
von Mutter und Frucht zu geschehen hat. Die künstliche Unterbrechung der 
Schwangerschaft kommt nur dann in Frage, wenn infolge fortschreitender 
Tuberkulose für Leben und Gesundheit der Schwangeren Gefahren bestehen, 
die durch kein anderes Mittel abgewendet werden können. 
Tuberkulöse junge Mütter sollen ihre Kinder nicht stillen, gleichgiltig 
ob sie sich kräftig und gesund fühlen, ob Schwangerschaft und Entbindung 
gut oder schlecht verlaufen sind. 
Beim Verbleiben des Kranken im Hause wird er in mancher Hinsicht 
Entsagung üben müssen, aber das Familien- und Eheleben braucht kein 
weniger glückliches zu sein, auch wenn Zärtlichkeiten, Liebkosungen der Kinder 
unterbleiben und im Geschlechtsverkehr Mäßigung geübt wird. Im übrigen 
gilt für die Pflege des Lungenkranken und zum Schutze des gesunden Teiles 
in der Ehegemeinschaft das, was das folgende Kapitel besagt.
	        

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