Full text: Das Wesen der Tuberkulose, ihre Entstehung, Verhütung und Heilung

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In den meisten Heilstätten sind nur Taschenspuckfläschchen im Gebrauch und 
in jedermanns beständigem Besitz. 
Die Reinigung des Taschenspuckfläschchens soll morgens und 
bei reichlichem Auswurf auch tagsüber oder abends erfolgen in der Weise, 
daß der Auswurf ins Kloset entleert und das Fläschchen mit einer ein- 
prozentigen Roh-Lysoformlösung (10 ccm oder 2 Teelöffel Roh-Lysoform 
auf einen Liter Wasser) nach- oder durchgespült wird. Der Zimmerspucknapf 
ist allmorgendlich durch einfaches Ausgießen des Inhalts direkt ins Kloset 
zu entleeren. Daß eine Verunreinigung des Abortsitzes hierbei peinlichst zu 
vermeiden bzw., wenn geschehen, durch ein mit Roh-Lysoform angefeuchtetes 
Läppchen gründlich zu entfernen und letzteres sofort in den Abort zu werfen 
ist. wird jedem selbstverständlich erscheinen. Danach hat man sich die Hände 
zu waschen. Das Kochen des Auswurfs vor dem Ausgießen in den Abort 
ist im Privathaushalt schwierig; es ist auch nicht unbedingt notwendig. 
Dagegen empfiehlt sich sehr das Nachspülen des Fläschchens mit einer 
einprozentigen Roh-Lysoformlösung. damit in dem Fläschchen keine Bakterien 
zurückbleiben, die fäulniserregend wirken und durch den entstehenden Geruch 
den Gebrauch der Flasche unangenehm machen könnten. Der Vereinfachung 
beim Gebrauch dient ein besonderes irdenes Gefäß (Kännchen) mit einer 
Roh-Lysoformlösung für das tägliche Nachspülen. Man wird nicht behaupten 
können, daß das vorgeschlagene Reinigungsverfahren so zeitraubend oder so 
kostspielig ist. um deshalb den Gebrauch der Spuckflasche von sich zu weisen. 
Jeder Tuberkulöse sollte vielmehr stets beherzigen, daß er die Spuckflasche 
in erster Linie zu seinem eigenen Schutz und Vorteil gebraucht. 
Durch Wiedereinatmen der ausgespuckten Bazillen können nämlich in erster 
Linie seine bis dahin gesund gebliebenen Lungenabschnitte tuberkulös werden. 
Husten. 
Wir kommen zur Verhütung der Tuberkuloseansteckung 
durch den verspritzten Auswurf. Man braucht nur einmal 
gegen einen Handspiegel zu niesen oder ihn mit offenem Munde anzuhusten, 
um sich davon zu überzeugen, wieviel kleine und kleinste Tröpfchen durch 
den Akt des Niesens und Hustens gegen den Spiegel geschleudert sind. 
Da nun bei Schwindsüchtigen solche verspritzten Tröpfchen Tuberkelbazillen 
enthalten können, ist von den Kranken zu verlangen, daß sie beim Husten 
Mund und Lippen fest schließen. Dies bedarf keiner langen Uebung, 
wer daran denkt, bringt es auch fertig. Und doch, wer übt es? Keiner von 
den Tausenden, die jährlich in die Heilstätte kommen, und kaum einer von 
den unzählig vielen, die täglich hier oder dort um uns herumhusten! Kein 
Wunder, wenn die Verstreuung der Tuberkelbazillen so ungeheuer ist. daß 
an ihre Allgegenwart geglaubt wird. 
Die beabsichtigte Wirkung, das Verspritzen von Auswurfteilchen zu 
verhindern, kann noch dadurch gesichert werden, daß der Hustende das 
Taschentuch vor den geschlossenen Mund hält. Die Vorsicht des 
Hustens mit geschlossenen Lippen und vorgehaltenem Taschentuch wird zur
	        

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