Full text: Das Wesen der Tuberkulose, ihre Entstehung, Verhütung und Heilung

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Beruf und auch keine Eisenbahnertätigkeit vom Ministerplatz bis zum 
Arbeiterstand herunter, die nicht den Körper ungünstig beeinflussen und 
damit die Empfänglichkeit für Tuberkulose steigern könnte. 
Um so mehr muß man darauf bedacht sein, daß der jugendliche, im 
Wachstum befindliche Körper nicht durch ungünstige Lebensbedingungen, 
zu frühe und zu schwere Arbeit in feiner Entwicklung gehemmt oder gar 
unterdrückt wird. Es ist, ganz abgesehen von der Elternpflicht, eine heilige 
Pflicht gegen das Volk, ihm einen körperlich wohlausgebildeten und wider- 
standsfähigen Nachwuchs heranzuziehen! Daher sollen wir vor der Wahl 
des Lebensberufes überlegen und prüfen, ob der körperliche Zustand eines 
jungen Mannes oder Mädchens den Eigenheiten, Anforderungen und 
Schädigungen der betreffenden Berufsausübung gewachsen ist. Dies gilt 
ganz besonders dann, wenn es sich um erblich Belastete und zur Tuberkulose 
Veranlagte handelt. Hier und in allen zweifelhaften Fällen soll der Arzt 
gefragt werden, um aus seiner ärztlichen Erfahrung heraus über den 
jeweilig geeignetsten Beruf Rat zu erteilen. 
Ist der Beruf gewählt, dann kommt alles darauf an, die Schädi- 
gungen während der Arbeit einzuschränken und durch eine geregelte, 
gesundheitsgemäße Lebensführung nach der Arbeit auszugleichen. 
Das erstere geschieht staatlicherseits durch die Gewerbeordnung und Gewerbe- 
aufsicht, die über Beginn, Dauer und Ende der Arbeitszeit, über die Ruhe- 
pausen, über die Staubbeseitigung in Werkstätten und über die Lüftung der 
Arbeitsräume, über die Beschäftigung jugendlicher Personen in besonders 
gefährdeten Berufen u. dergl. Bestimmungen trifft. Auch die Berufs- 
genossenschaften und Arbeitgeber lassen es nicht an Vorschriften und Einrich- 
tungen fehlen, um die Gefahren der einzelnen Berufszweige für die Arbeit- 
nehmer nach Möglichkeit auszuschalten. Immer aber wird es von dem 
Arbeiter selbst abhängen, ob er bei seiner Berufstätigkeit mehr oder weniger 
Schaden an seiner Gesundheit nimmt. Denn die besten Einrichtungen für 
Lüftung, Staubabführung, Auswurfbeseitigung usw. nützen der Allgemeinheit 
und dem Einzelnen nichts, wenn sie nicht vorschriftsmäßig oder über- 
haupt nicht benutzt werden. Strafandrohungen, die sich auf das 
Beschmutzen der Fußböden mit Lungenauswurf beziehen, bleiben tote Buch- 
staben, wenn nicht die in Räumen beschäftigten Mitarbeiter selbst Kontrolle 
ausüben und den Schuldigen feststellen und erziehen helfen. Freiheit in 
diesen Dingen ist: „unter allen Bedingungen das Vernünftige tun!" 
Fürsorge für 
Genesende 
Jeder, der einmal eine schwere fieberhafte Krankheit durch- 
gemacht hat, weiß aus eigener Erfahrung, daß seine körper- 
liche Widerstandskraft gegen äußere Einflüsse oft noch Wochen 
lang herabgesetzt war. In solchem Erschöpfungszustande bildet der mensch- 
liche Körper den denkbar besten Nähr- und Ansiedelungsboden für die 
Tuberkelbazillen. Jetzt braucht nicht wie in gesunden Tagen reichlich 
Gelegenheit vorhanden zu sein, immer wieder die Bazillen in sich aufzu-
	        

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