Full text: Das Wesen der Tuberkulose, ihre Entstehung, Verhütung und Heilung

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Kartoffeln und Gemüsen. Eier-, Reis- und Mehlspeisen werden vom 
Gaumen als angenehme Abwechselung empfunden. Dahingegen wird eine 
einseitige Fleischnahrung von unserm Darme auf die Dauer ebensowenig 
ausgenutzt und vertragen wie eine einseitige Pflanzennahrung. Beide 
führen oft langsam, aber meist sicher zu einem Zustande der Unterernährung, 
in dem für die Tuberkelbazillen die besten Ansiedelungsbedingungen gegeben 
sind. Auch nach den Kriegserfahrungen bildet die Vereinigung der Kohle- 
hydrate des Pflanzenreichs mit dem Fett und dem Eiweiß der aus dem 
Tierreich stammenden Nahrungsmittel die einzig mögliche Form für eine 
wirklich nahrhafte, leicht verdauliche und gut bekömmliche Volksernährung. 
Das wollen wir gegenüber den Lehren der Vegetarianer festhalten! Wir 
wollen aber andererseits nicht einer zu massigen Fleischernährung das Wort 
reden, wie sie vielfach vor dem Kriege üblich war; auch diese hat, soweit 
sie nicht Luxus ist, ihre offenbaren Nachteile. 
Der Erwachsene kann mit 150 Gramm Fleisch täglich auskommen 
und tut gut, den übrigen Eiweißbedarf durch Gemüse, Milch oder Eier zu 
decken. Fischgerichte können ein- bis zweimal in der Woche die Fleisch- 
kost vollwertig ersetzen. Im übrigen ist es Einkommens- und Geschmacks- 
sache, wie im Einzelhaushalt die Speisen zubereitet und in welcher Menge 
und Abwechselung sie gereicht werden. Ebensowenig wie es ein Normal- 
Schuhwerk für ein ganzes Volk gibt, ebensowenig kann es ein allgemeines 
Fleisch- oder Eiweißbedarfsminimum geben, ebensowenig eine einheitliche 
Kostordnung oder einen für alle passenden Speisezettel. 
Genußmittel. 
Kaffee und Tee sind an sich keine Nahrungsmittel, sondern 
Genußmittel, die lediglich dadurch Nährwert bekommen, daß 
man zum Kaffee und Tee Milch oder Zucker tut und etwas Nahrhaftes 
dazu ißt. Wer morgens das Haus nur mit einer Tasse Kaffee oder Kaffee- 
ersatz im Magen verläßt, der betrügt den Magen. 
Alkohol. 
Auch der Alkohol ist kein Nährmittel! Er ist vielmehr in ganz 
geringen und nicht konzentrierten Mengen zum Essen oder 
nach dem Essen genossen ein kostspieliges Genußmittel, in größeren 
Mengen oder auf nüchternen Magen getrunken aber eins der schwersten 
Gifte, die wir kennen. Und wer da glaubt, daß er eine Tagesmahlzeit 
durch ein paar Schoppen Bier oder ein paar Gläser Branntwein vollwertig 
ersetzen kann, der befindet sich in einem verhängnisvollen Irrtum. 
Die Staatseisenbahn-Verwaltung hat es sich angelegen sein lassen, 
Aufenthalts- und Unterkunftsräume zu schaffen, in denen sich ein jeder, der 
durch seinen Dienst der Häuslichkeit ferngehalten ist, ein einfaches, warmes 
Mahl bereiten kann. Das gleiche ist dem Zugbegleitungspersonal mit den 
in den Packwagen der Züge eingerichteten Kochvorrichtungen möglich. Wo 
heute trotzdem das Bedürfnis nach Nahrung durch Alkohol betäubt wird, 
da beginnt das Säufertum mit seinen besonders verhängnisvollen Folgen 
für den Körperhaushalt. Der Alkohol ist in gesundheitlicher Hinsicht ein
	        

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