Volltext: Zur Aufklärung und Belehrung über die Tuberkulose, ihre Entstehung, Verhütung und Heilung

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gemacht werden. Das trockene Kehren der Korridore, Treppen 
häuser und vor allem der Treppen von Stufe zu Stufe ist 
eine direkte Rücksichtslosigkeit gegen alle diejenigen, die in dem 
Hause ein- und ausgehen müssen. Gerade an solchen viel und 
von den verschiedensten Leuten betretenen Stellen müssen mit dem 
Staub beim Fegen Unmengen von Krankheitserregern, auch Tuberkel 
bazillen, aufgewirbelt werden. Läßt sich die Staubbildnng nicht 
ganz vermeiden, so empfiehlt es sich, durch ausgiebiges Oefsuen 
aller Fenster den Abzug des Staubes zu beschleunigen. 
Das Oeffnen der Fenster ist aber auch notwendig für 
die Lüftung. In Mietswohnungen und Privathänsern be 
stehen keine besonderen Vorrichtungen, um die verbrauchte Luft 
aus den Zimmern fortzuführen und reine Luft an ihre Stelle 
zu schaffen. Wir sind ausschließlich auf die Fenster als die 
natürlichen Lüftungsöffnungen angewiesen. Da ist es natür 
lich ganz verkehrt, mit Herannahen der kälteren Jahreszeit die 
Fenster abzudichten oder gar zuzunageln, damit jeder frische 
Luftzug abgehalten würde, und ja niemand in Versuchung käme, 
das Fenster zu öffnen. O heilige Einfalt! Gerade im Winter 
ist die Luftverunreinigung in den Wohnräumen eine erhöhte, 
weil außer dem Menschen die künstliche Beleuchtung und die 
Heizung schädliche, ja giftige Gase der Luft beimischen. Und 
diese Gase hintanzuhalten bezw. auf einen unschädlichen Grad 
der Beimischung herabzudrücken, gibt es kein einfacheres Mittel 
als das Oeffnen der Fenster. Kann dies wegen der zu 
befürchtenden Auskühlung der Wohnung nicht dauernd oder 
längere Zeit der Fall sein, so soll es wenigstens öfter am Tage 
auf kurze Zeit geschehen. Im Schlafzimmer enrpfiehlt sich das 
spaltförmige Offenlassen des einen Fensterflügels für die ganze 
Nacht. — Eine gesunde Wohnung, die den genügenden Luft 
raum hat, kann trotzdem gesundheitsschädlich wirken, wenn die 
Ausnutzung der einzelnen Räume eine unzweckmäßige 
ist. So sieht man oft das geräumigste und hellste Zimmer als 
„gute Stube", den engsten und dunkelsten Raum als gemein 
sames Schlafzimmer für Eltern und Kinder eingerichtet. Solche 
Eitelkeit von seiten der Hausfrau ist ein Frevel gegen sich selbst, 
ein Unrecht auch gegen den Ernährer der Familie und gegen 
die kleinen Kinder. Ersterer kann unmöglich in der schlechten 
Luft eines überfüllten Schlafraumes die für die Tagesarbeit 
erforderliche Spannkraft und Frische des Körpers und Geistes 
wiederfinden, letztere werden nicht gedeihen, wenn sie ihre ersten 
Lebensjahre fast ausschließlich in solchem Raume zubringen müssen. 
Mair tut besser, aus der wenig oder nur Sonntags nachmittags 
benutzten „guten Stube" ein zweites Schlafzimmer und in Krank-
	        

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