Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

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2)cr ^internationale §crolb 
grage ber SSöIferuerftänbigung ein? 3)ie etmaS plö^lidj ermadhte 
unb nun fel)r ftorfe Scbnfncbt nach einer Jöölfemrftänbigung 
mar jmcifclloS e^rtic^ unb echt unb oerbrängte ober oerbeefte 
bic (Erinnerung an bie (Befühle unb Stimmungen, benen man 
fidj mährenb bet 5?rieg§jahre hemmungslos, ja mit einet un= 
uerfennbaren Söoßuft Angegeben Ijatte; aber burfte, fonnte man 
ermatten, fofort SSerfiänbniS bei ben Gegnern für biefen Um* 
febmung 311 ftnben? (Es ift gemifj müfjig, ftdj auSjubenfen, maS 
bei einer Umfefyrung ber tatfäc^lidjen (Ereigniffc mahrfcbeinlicb 
gefc^eben märe, aber bie oberftädjlidjfte Sorfteüung einet folgen 
©ebanfenfpefulation reicht fdjon aus, um 31t 3eigen, bafj man 
ben (Entcnteoölfcrn eine fo fcbnellc Slnpaffung an ben Stimmung^ 
umfdjmung im beutfeheu Sßolfc unmöglich sumuten fonnte. Sie 
fßropaganba, bic Rufpcitfcbung beS SßölferhoffeS b^tc boS $er* 
trauen in bie (Ebrlicbfeit beS ©egncrS auf beiben Seiten bis in 
bie SBurjeln gelötet; c§ fonnte unmöglich auf eine Hofe $u* 
ftcherung bin mit einem finale mieber neu aufHüben. 
S5a§ alles fonnte b am als nur bevjenige flat erfennen, 
ber ficb bureb bie ganse flrtegSmifere binbureb ein ruhiges 
IcibcnfchaftSlofeS Urteil bemal)rt bntte; — mie oiele folget 
Rlcnfdjjen gab es mobl in Scutfdjlanb? — jebt foßte es aber 
rücfblicfenb oielen, menn nicht aßen, möglich fein. 3)abci barf 
bann amb nit^t bie meitere Haltung ber beutfeben Regierungen 
unb beS beutfeben SSotfeS oergeffen merben, rnufj man ficb er* 
innern an bic flammenben $rotcfte tieffier (Entrüfiung, oon 
benen baS Reich miebecl)aßte. $olitifdh erlaubte äßittel? Sßag 
fein, nur barf man fiel} niefjt munbern, bafj baS noch tief er= 
bittertc SluSlanb fie ernft nahm, nicht fie, fonbern baS ©erebe 
oon ber S5ülferoerftÜnbigung für 331 uff unb unaufrichtige ßßacbe 
hielt, $anb aufs §003! jeher ein3clne frage ficb ehrlich, ob fein 
$ec3 b ß iber glühte bei jenen $rotefien ober bei bem Söunfdje 
nach einer bauernben SSölferoerftänbigung; ob bei bem ©ebanfen 
an einen S3ölferbunb bie Hoffnung auf febonenbe griebenS*
	        

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