Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

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Der Internationale Herold. 
schaftliche Chaos möchte durch einen systematischen Wieder 
aufbau der Weltwirtschaft, durch eine Regelung des Geldverkehrs 
beseitigt werden. Da sollten doch friedliche weltbürgerliche Be 
trachtungen nicht eindrucklos verhallen. Es ist eine „falsche 
Rechnung“, wenn viele Deutsche von Versöhnung nichts wissen 
wollen, vielmehr auf neue Kriege sinnen, um den Feinden das 
wieder abzunehmen, was sie sich angeeignet. Im früheren Jahr 
hundert war das wohl möglich. Da wurde in einem neuen 
Kriege dem Feinde da£ Geraubte wieder entrissen. Der Krieg 
entscheidet jetzt in anderer Weise. Er ist von so verheerender 
Wirkung, der Verbrauch von Rohstoffen, Geräten und Kapital 
so ungeheuer, daß dem Sieger von seinen Eroberungen nicht 
viel übrig bleibt. Auch das wird im pazifistischen Unterrichte 
im einzelnen dargelegt werden müssen; durch Zahlen kann be 
wiesen werden, welche Summen durch den Krieg verschlungen 
und den Werken des Friedens entzogen worden sind. 
Im vorigen Jahre hat ein Mitglied der Holländischen 
Kammer bei Gründung einer niederländischen Handelskammer 
in Hamburg hervorgehoben, daß der Friede nicht nur das Nicht 
vorhandensein des Krieges sei, sondern daß dazu auch das Be 
wußtsein der Zusammengehörigkeit der Völker gehöre, des freien 
und herzlichen Austausches von Gedanken, Waren und Freund 
schaft. Das sind recht wertvolle Worte auch für die weltbürger 
liche Beziehung, und sie erinnern uns daran, daß, wie so viele 
behaupten, die Deutschen nicht den richtigen Ton und die rich 
tigen Formen besäßen im Verkehr mit fremden Völkern. Sie 
hätten sich oft im Aushnde durch ihr Verhalten verhaßt ge 
macht: großsprecherisches Wesen auf der einen Seite, Demut 
und Unterwürfigkeit auf der andern. In einer freimaurerischen 
Schrift aus dem vorigen Jahre von P. Wagler: Das deutsche 
Erwachen zur Wirklichkeit — wird auf d*ese mangelhafte Er 
ziehung der Deutschen besonders Bezug genommen. Es habe 
den Deutschen an der freien Verfügung über die Umgangs
	        

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